.Die Eisenbahnstrecke zwischen Los Mochis am Pazifik und Chihuahua wurde zwischen 1861 und 1961 gebaut, um Mais, Getreide und Kupfer zu den Häfen zu transportieren. Die Strecke ist knapp 700km lang. Der höchsten Punkt ist Creel (2400m) unmittelbar nach den Kupferschluchten und ca. 250km vor Chihuahua. Der El Chepe ist heute der einzige Personenzug in Mexiko und fährt über 37 Brücken und durch 86 Tunnels. Wer die Strecke gefahren ist versteht, warum der Bau dieser Bahn so schwierig und mühselig war. Die längste Baranca de Cobra ist 4x grösser als der Grand Canyon. Die Ureinwohner in diesem Gebiet sind das Volk der Tarahumara und sind als starke Läufer bekannt. Mitglieder dieser Gemeinschaft gewinnen immer wieder lokale und nationale Langstrecken- und Marathonrennen.
Creel ist ein kleines Städtchen, gelegen auf 2400m Höhe und ist die letzte Station vor Chihuahua. Die Stadt wurde 1907 von Enrique Creel, einem Gouverneur von Chihuahua gegründet. Soviel mein Bescheidener Beitrag an Informationen über Creel und den El Chepe. Ich beschränke mich in diesem Bericht auf meine Erlebnisse in Creel und ein paar Details von der Fahrt. Die Reise selbst lasse ich Euch über den Link am Ende dieses Blogs miterleben. Es war schwierig gute Bilder zu machen weil oft keine freie (Fotosicht) nach draussen möglich war. Der Film zeigt die ganze Herrlichkeit dieser Bahnstrecke mit allen relevanten Angaben und Beschreibungen.
Creel / Los Mochis
Ja, und da bin ich. Nach ca. 3 Std. Busfahrt stehe ich in Creel. Es ist Mittagszeit. Edgar hat mir beim Abschied noch mitgeteilt, dass Anna, ebenfalls eine Cousine, mich an der Bushaltestelle abholen wird. Ich liebe Ihn.
Ich stehe also mit Sack und Pack kaum auf der Strasse in Creel, da hält auch schon ein etwas zerbeulter Pickup und eine junge Frau am Steuer fragt mich ob ich Marco bin. Ich bejahe, steige ein und sie sagt auf spanisch irgendwas von einem Hotel und fährt los. Wir verlassen den kleinen Ort und Anna fährt auf Strassen die keine sind, in ein kleines Tal etwa 5-10km ausserhalb Creel. Sie bleibt einige Male in den riesigen ausgespülten Löchern auf der etwa vier Meter breiten Naturstrasse stecken und kommt oft nur nach mehrmaligen Versuchen wieder raus. Ein Schelm, wer jetzt denkt, ich hätte gedacht: Frau am Steuer etc. etc. Da wäre in einem Rutsch nicht mal ein Chicken-Busfahrer (die Geschichte kommt noch) durchgekommen. Und das sind wahre Steuerakrobaten. Die Mühe lohnt sich. Dieser winzige kleine Taleinschnitt ist allerliebst.


Sie hält vor einem grossen Tor und wir steigen aus. Auf etwa 200 Quadratmeter verteilt stehen wunderschöne kleine Ferienbungalows. Sie bedeutet mir mitzukommen und wir gehen einen schmalen Weg entlang, vorbei an seltsam geformten Steinformationen, bizarren Baumformationen und schroffen Felswänden.


Nach etwa 10 Minuten endet der Weg und wir stehen vor einem riesigen Höhleneingang. Diese Höhle ist eine lokale Sehenswürdigkeit und Anna sagt mir wie die Höhle heisst. Ich nehme meinen Übersetzer zu Hilfe und muss lachen. Sie heisst tatsächlich, der geneigte Leser ahnt es bereits: »Die Höhle des Löwen». Da komme ich in Creel an und muss zwanzig Minuten später bereits Anna vor dem wilden Löwen retten. So werden Helden geboren.
Aber nun muss ich Anna erklären, dass ich nicht so weit ausserhalb von Creel, im Tal des Löwen, übernachten will. Dabei hat Sie sich so viel Mühe gegeben. Aber Sie versteht mich und sagt, sie habe auch in Creel ein Hotel, aber das hier wollte Sie mir unbedingt zeigen. Sie würde sich um mich kümmern. Das habe Sie Edgar versprochen. Liebe Freunde Zuhause, mehr Gastfreundschaft geht nicht. Ich bin sehr beeindruckt und gerührt. Wir fahren also zurück und Anna bringt mich in das Hotel in Creel. Es steht auf einem kleinen Hügel, etwa 200m in Sichtweite des Bahnhofs, schlussendlich dem Ziel meiner Begierde.



Nachdem ich das Zimmer bezogen habe, alles funkelnagelneu und hübsch eingerichtet, gehen wir zum Bahnhof um das Ticket für den El Chepe zu kaufen. Der Zug ist ausverkauft und der nächste fährt erst wieder am Mittwoch früh um 09:00 Uhr. Das heisst, zwei Tage Aufenthalt in Creel. Ok denke ich und freue mich. Es gibt da ja einiges zu sehen.



Ich buche für den nächsten Tag einen Motorroller und lass mir eine entsprechende regionale Karte aushändigen. Der nächste Tag kommt und er kommt Eiskalt. Die Temperatur ist auf gefühlte Null Grad gesunken. Auf meinem Weg in die Beiz wo Kaffee angeboten wird erfriere ich fast. Ja, das kann schnell gehen auf 2400m ü. Meer. Mein Ausflug hat sich erledigt und ich gehe in mein Zimmer zurück, wo Anna mittlerweile ein klitzekleines «Warmluftöfeli» installiert hat. Immerhin, das Museum de Arte popular ist offen und ich beschliesse im Laufe des Tages dahinzugehen. Es ist ein kleines, aber sehr liebevoll eingerichtetes Museum und ich erfahre so einiges über die Gründung des Ortes und über die hier heimischen Indios, die Tarahumaras. (s. oben und via den Link)



Ja und so vergeht der Tag. Und auch der nächste brachte lediglich etwas Abwechslung mit Spaziergängen durchs Dorf. Also viel Zeit für Berichte schreiben. Meine Ausrüstung für kalte Zeiten ist für kurze Freiluftübungen in den Anden gedacht. Eine Ueberlebensübung über mehrere Tage habe ich nicht eingeplant. Nun, es wird Mittwoch und ich steige in den um 9:00Uhr früh, bereitstehenden EL Cheppe ein.



Ich habe Touristenklasse gelöst. Alles andere wäre doppelt so teuer gewesen. Und da der Speisewagen keine Klassenunterschiede kennt ist das eine gute Entscheidung. Ausserdem habe ich so Anne, Moritz, Eric und Robert kennengelernt. Vier muntere deutsche Studenten die in einem Austauschprogramm in Monterey an der UNI studieren. Jetzt machen die vier eine Ferienfahrt durch Mexiko und Guatemala und wir haben eine sehr gute und aufgestellte Zeit während der ganzen Fahrt. Ich hoffe, dass ich Euch die vier an unserer Fiesta sudamericana dann vorstellen kann. Eine Stunde vor Mochis steigen Sie dann aus und wir verabschieden uns. Schön war’s.

Ja, und dann erreiche ich kurz vor dem Eindunkeln Los Mochis und ein sehr schöner Tag geht zu Ende.
Bis zum nächsten Blog. Saludos
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