San Christobal de las Casas

Was will ich nicht alles unternehmen von hier aus. Es liegt an der Strecke nach Palenque, einer der grösseren Ausgrabungsstätten der Inkas. Hier in der Umgebung in Chiapas gibt es ebenfalls einiges zu sehen. Nichts von alledem. Ich bin schlicht und ergreifend müde. Das kleine Städtchen eignet sich idealerweise dafür, eine Zeitlang dem Müßiggang zu frönen. Überschaubare kurze Wege in die Cafés und Restaurants und zu den Marktplätzen. Eine schöne Bleibe, eine Wäscherei um die Ecke, keine Erkundungsgänge und Abklärungen. Kurz, da lass ich die faule Sau raus. Das kann ich gut, ist eine meiner besseren Charaktereigenschaften

Mein Zimmer bzw. die Unterkunft ist an einer der Zubringergassen zum zentralen Platz im Ort gelegen. Die meisten der Hotels haben die Zimmer um schön herausgeputzte Innenhöfe angelegt. Das sieht hübsch aus, hat aber den Nachteil, dass wenn die ersten frühmorgens Frühstücken, kannst Du gleich mitessen und mitreden. Die Wände und Türen sind dünn gebaut. 

Diese Technik, die Gute wäre eine erfolgreiche Tennisspielerin geworden.

Auf Anraten einer sehr lieben Freundin, die vor einigen Jahren hier eine Zeitlang gelebt hat, suche, und finde ich auch, den alten Markt. Vermeintlich früh (08.00h) am Morgen gehe ich hin, in der Annahme, dass es dann noch nicht so viele Leute hat. Denkste, da war bereits ein Gewusel wie am Morgenstreich. Während viele noch Ihre Stände aufbauten und auffüllten drängten die Besucher, alles mexikanische Touristen und Einheimische, durch die schmalen Gassen. Ich habe schon einige Märkte besucht, hauptsächlich in Frankreich und Italien. Aber diese Intensität hier, der Lärm und die Gerüche, das war eine andere Erfahrung. In der Markthalle drin, wo auch Fleisch angeboten wird, nochmals eine Steigerung.  Ein wirklich intensives Markterlebnis. 

Ich bin zweimal auf diesem Markt. Beim zweiten Mal an einem Nachmittag. Noch mehr Menschen, noch mehr Gedränge. Ich muss zugeben, es kam der Moment wo ich leicht panikartig den Ausgang suchte. Der alte Markt in San Christobal wird mir ewig in Erinnerung bleiben.

Auf einem anderen Rundgang durch den Ort mache ich eine seltsame Beobachtung. So um acht Uhr morgens bin ich auf den Weg in ein Cafe am grossen Platz. Am Rande des Platzes, unmittelbar vor dem Cafe meiner Wahl, stehen in sauber aufgereihter Gruppe etwa 30 – 40 indigenen Menschen, meist Frauen in Ihren typischen Kleidern. Alle mit einem Bündel und viele mit in Tücher eingewickelten Kleinkinder auf dem Rücken.

Ich nahm an, die warten hier alle auf einen Bus. Nach meinem Frühstück ging ich zurück, um meine Wäsche in die mittlerweile geöffnete Lavanderia zu bringen. Als ich nach ca. zweieinhalb Stunden wieder zur Piazza ging, war die Gruppe wartender Indigenos auf etwa 80 Personen angewachsen. Geduldig standen sie da, in Reih und Glied. Ich setzte mich wieder ins Cafe. Nun wollte ich wissen was das bedeuten sollte. Einige schauten immer wieder auf einen Eingang unmittelbar neben dem Café. Dort stand gross angeschrieben «Banka Azteka de Mexiko» Aber da war keine Bank. Eine Firma bietet in dem Haus Kücheneinrichtungen und Motorräder feil. Eine seltsame Mischung, dachte ich.  Ich frage Sitznachbarn und das Personal ob sie wissen, auf was diese Menschen warten. Ich ernte nur Schulterzucken. Ich gehe in das Gebäude und schaue mich um. Weit und breit nichts, was nach einer Bank ausschaut. 

Als ich wieder rausgehe will ich die Gruppe fotografieren. Aber ich wage es nicht. Ich komme mir wie ein Voyeur vor. Und trotzdem will ich diesen Moment festhalten. Es ist sehr eindringlich, wie diese Menschen ruhig und geduldig dastehen und auf etwas warten. Ich stehe also hinter einen Pfosten und mache ein Bild. Völlig verklemmt und mit schlechtem Gewissen. Mit dem Foto gehe ich zurück in mein Hotel. Dort habe ich einen Mann kennengelernt der im Eingangstor zum Hotel Schmuck verkauft. Er kann leidlich gut italienisch und englisch und wir haben uns schon einige Male unterhalten. Er weiss über Land und Leute hier Bescheid und ich denke, dass er mir weiterhelfen kann. Tatsächlich erklärt er mir, dass die Indigenos dort bei der Bank der Azteka de Mexiko ihr monatliches Geld abholen. Eine Art Rente oder Unterstützung, denke ich. So ganz zufrieden mit der Antwort bin ich nicht und ich frage nach, bei meiner sehr lieben Freundin, die mir San Christobal ans Herz gelegt hat. Sie hat damals (vor einigen Jahren) mit indigenen Kaffeebauern hier in der Gegend gearbeitet. Sie erklärte mir, dass es eher wahrscheinlich ist, dass es um die Vergabe von Microkrediten geht.
Zitat:
Mikrokredite sind Kleinkredite von einer Geldeinheit bis zu einigen tausend Geldeinheiten an Kleingewerbetreibende überwiegend in Entwicklungsländern. Sie sind neben Mikroversicherungen und micro savings eine wesentliche MikrofinanzDienstleistung. Die Kredite werden in der Regel von spezialisierten Finanzdienstleistern und nichtstaatlichen Organisationen meist zur Förderung der Entwicklung vergeben. Aus Sicht von Investoren stellt die Bereitstellung finanzieller Mittel für Mikrokredite eine spezielle Form der Anlage dar.
Zitat Ende
Nun, diese Erklärung scheint mir die am wahrscheinlichsten. Solche Microkredite sind auch eine gute Einrichtung und machen vieles möglich. Ok, so weit so gut. Es bleibt mir ein „Gschmäckli“.

Der mexikanische Staat (und nicht nur er) ist mit seinen Urvölkern bisher nicht sehr zimperlich umgegangen. Und wenn ich auf meiner Reise beobachte, sind es nicht die indigenen Menschen in diesen Ländern, welche ein besonders leichtes Leben haben. Dann können sie ja auch stundenlang in der Sonne stehen und auf das ihnen zustehende Geld warten. Einmal mehr, sehr sehr unzimperlich.
Als ich dann am Nachmittag wieder zur Piazza gehe sind alle diese Menschen nicht mehr da. Irgendwo, zwischen Kühlschrank, Küchenherd und Motorräder muss es eine Art Bankschalter gegeben haben. Und der hat dann auch irgendwann aufgemacht.

Der nächste Blog dann ein bisschen Centralamerika. Sehr anstrengend und sehr schön. Saludos

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