Nach Panajachel in Guatemala
Guatemala City wollte ich eigentlich auslassen. Habe darüber viel gelesen, viel gesehen und viel gehört. War wahrscheinlich etwas zu beeindruckt. Im Reisebüro gleich neben meinem Hotel wurden diverse Shuttlefahrten angeboten. Unter anderem auch nach Antiqua, ca. 200km südwestlich von Guatemala City. Von dort dann ebenfalls mit der gleichen Gesellschaft mit dem Bus nach San Salvador in El Salvador. Mein Freund der Schmuckhändler jedoch hat mir geraten, ich solle doch nur bis Panajachel am Lago Atitlan fahren. Das sei viel schöner als Antiqua. Ich befolgte seinen Rat und tat gut daran. Ich kenne jetzt Antiqua nicht, aber meine Erlebnisse in Panajachel waren wunderschön.
Am Morgen früh um sechs ging es los. Ein Kleinbus holte mich ab und als endlich alle 12 Mitfahrer an Bord waren fuhren wir los. Eins vorneweg. Es war eine unglaubliche Fahrt. Die Strassen in diesem Teil Mexikos sind nicht die besten. Guatemala schlägt siegle. I mmer wieder diese eingebauten Geschwindigkeitsschwellen. Sehr hoch gebaut und nur im Schritttempo zu überfahren. Stehen irgendwo auf offener Strecke mehr als zwei Häuser, peng eine Schwelle. Und zwar ca. 200m vor dem ersten Haus und dann wieder nach dem letzten Haus. Diese sehr spezielle Strassenverkehrstechnik zieht sich durch alle Zentralamerikanischen Länder. Ziemlich gerädert kommen wir etwa gegen Mittag an der Grenze zu Guatemala an und das Migrationsdrama beginnt. Der Bus hält in einem kleinen Ort an. Den Namen weiss ich nicht mehr, ist auch nicht wichtig. Habe mal gedacht, hässlicher als El Paso geht es nicht. Es geht.



Überall Abfall, Plastik, Dreck, Hunde die im Abfall wühlen, halbfertig gebaute Häuser, halb abgerissen Häuser und überall viele Menschen. Wir mit Sack und Pack folgen unserem Fahrer und der bringt uns zu einem Zollhaus so ziemlich in der Mitte des Ortes. Wir sehen die Grenzbarriere zu Guatemala etwa 150 Meter weiter vorne. Dazwischen eine Unmenge Leute. Geldwechsler, Händlerstände, fliegende Händler, Touristen, Taxis etc.etc. Wir müssen alle durch zwei Büros und Pass und Gepäck zeigen. Einmal das Büro für Ausreise und einmal das Büro Migration. So nebenbei, auch dieses Prozedere zieht sich durch alle Zentralamerikanischen Staaten. Da gleichzeitig noch vier oder fünf andere, grosse Busse ankommen, gibt es ein totales Gedränge. Endlich, nach ca. zwei Stunden ist unsere Gruppe durch und wir wollen alle schnell weg von hier.



Nichts da, der Bus der uns weiterbringt hat Verspätung. Er kommt aus Panajachel und sollte uns mitnehmen. Umgekehrt sollen seine Fahrgäste mit unserem Fahrer zurück nach San Christobal. Niemand weiss so genau Bescheid. Unser Fahrer telefoniert wild in der Gegend rum. Wir wechseln unser Geld bei einem fliegenden «Wechsler» kaufen zu Trinken und zu Essen und warten. Ich bin der Oldie unter den wartenden. Die meisten sind Paarweise unterwegs. Zwei Girls kaufen Nüsse und vertreiben sich die Zeit damit diese mit zwei Steinen zu knacken. Wir essen alle Nüsse. Plötzlich kommt Bewegung in die Sache. Die Fahrgäste nach Antiqua können weiterreisen. Ich verwünsche meinen Amigo den Schmuckverkäufer. Auch die Nussknacker verabschieden sich und wir anderen und warten. Mittlerweile sind wir über vier Stunden am Zollhüsli. Unser Fahrer kommt und wir schauen Ihn erwartungsvoll an. Er hat soeben erfahren, vor zwei Stunden geht nichts. Er ist auch nicht amused. Er muss noch zurückfahren. Nach etwa einer Stunde wage ich es auf die andere Seite des Schlagbaums zu gehen. Es hat dort einen Stand mit Bananen. Ich hole mir ein paar und als ich zurück komme stehen alle bereits in der Reihe. Es geht tatsächlich weiter. Wir gehen ein paar Meter zu Fuss und besteigen den Kleinbus. Aber nur für etwa 400 Meter. Für diese Strecke brauchen wir etwa 20 Minuten. An den Verkaufsständen vorbei drängen sich Autos, Motorräder, Busse und Menschen in beide Richtungen durch den Ort. Nun, wir schaffen das und nach 400 Meterwieder alle raus, mit Gepäck und nochmals Migration. Diesmal auf Guatemalteser Boden. Es geht einigermassen schnell und eine halbe Stunde später sind wir endlich wieder unterwegs nach Panajachel. Mit total über fünf Stunden Verspätung. Nachts um 23.00h sind wir da.
Ihr erinnert Euch. Ich habe gesagt, dass es noch schlimmer kommt mit den Schlaglöchern. Es war der Hammer. Zeitweise standen wir auf offener Strecke Schlange, weil, wenn an besonders grossen Löchern, zwei Grosse Laster oder Busse aneinander vorbei wollten, dies ein mehrfaches Vor-seitwärts-und Zurückmanöver erforderte. Das dauerte ewig. Für unseren Fahrer mit seinem Kleinbus bedeuteten diese Verhältnisse ein ständiges Slalomfahren. Das ist sowas von toll. Ich sass zum Glück vorne und war so beschäftigt mit «Mitfahren» das ich keine Zeit hatte um zu Kotzen. OK, ich lasse es dabei bewenden.


Dabei fuhren wir durch eine wunderbare Gegend mit vielen etwa 600 bis 800 Meter hohen Hügeln mit intensivem kräftig grünem Wald bzw. Baumbewuchs. Superschön. Irgendwo habe ich mal gelesen, Guatemala sei ein bisschen die kleine Schweiz. Später auf dem Atitlansee sollte sich diese Aussage bewahrheiten. Ich mach mal an dieser Stelle einen Punkt. Für den Tag in Panajachel brauche ich einen ganzen Blog. Bis bald,
Saludos
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