Zentralamerika, ein Beitrag ganz ohne Bilder
Während der Festtage durch Zentralamerika. Mein Plan war, in San Jose (Costa Rica) die grosse Weihnachtsparade zu sehen. Ein festlicher und fröhlicher Umzug, quer durch die Stadt, alles hoch zu Ross. So wird er beschrieben. Solche Umzüge sind hierzulande und auch in anderen Städten und Orten alte Tradition. Der in San Jose soll besonders gross und freudig sein. Jetzt am 20. Dezember bin ich auf dem Weg, zusammen mit Gonzalo nach San Salvador. Dazwischen liegen, bis zum 25. Dezember noch ein Zipfel Honduras, El Salvador, Nicaragua und halb Costa Rica. Durch diese Länder zu reisen macht nicht so viel Spass. Also mir nicht, muss ich betonen. Die Städte ersticken alle im Verkehr, laut, schmutzig und hässlich. Der Abgasgestank ist ungemein. Natürlich hat jede dieser Städte ihre Altstadt und Pärke. Kleine, einigermassen hübsche Oasen. Aber 95 Prozent ist unschön und total verlottert. Ich rede von Guatemala City, San Salvador, San Jose und auch Panama City. Die letztgenannte hat zwar eine eindrucksvolle Skyline aus der Ferne. Bist Du aber mittendrinn (und ich habe mittendrinn gewohnt) ist auch dort alles kaputt und ungepflegt. Nichts ist wirklich fertig. Aussen Hui und innen Pfui. Die Ausnahmen bilden dort die Touristen Hotspots. Die künstlich gebaute Halbinsel zum Kanal und den Schleussen ist grosszügig angelegt und die kleine Altstadt von Panama City (Casco Viejo) ist wirklich hübsch.
Also, auf dem Weg durch Zentralamerika nach San Jose zur Weihnachtsparade bleiben als herausragende Ereignisse ein paar wenige tolle Erlebnisse. Der Tag in San Juan mit Mina natürlich und die gemeinsame Reise mit Gonzalo nach San Salvador. Ja, und dann noch der kurze Moment in San Jose am Heilig Abend. Ich habe da ein wunderschönes französisches Lokal, das Bistro de Paris gefunden und mir dort ein Cüpli und einen zerlassenen Camembert im Pfännli gegönnt. Mit Edith Piaf und Charles Aznavour in den Ohren war das eine richtig schöne Weihnachtsfeier.
Weniger toll sind dann die Erlebnisse an den diversen Grenzübergängen mit arroganten Zollbeamten und einfältigen Angestellten an den Autobusterminals. Ich habe sogar einen Rekord im zweimal 500 Meter für Oldies hingelegt. Und das kam so:
Wir stehen an der Grenze von Nicaragua nach Costa Rica, so etwa um ein Uhr Früh. Wir, dass sind alle Insassen des Reisebusorganisation die uns nach Costa Rica bringt. Etwa 60 Leute. Mit Sack und Pack vor dem Schalter «Ausreise Nicaragua» und warten. Alle auf einer Linie ca. 20 Meter vor dem Schalter. Auf dem Weg dahin knöpfte ein junger Beamter jeder und jedem einen Ausreisebatzen ab. Ich habe keinen Cordoba, weil ich wusste das ich den Streckenteil von Nicaragua bei Nacht und Nebel durchfahren werde und entsprechend keine Landeswährung auf mir habe. Ich radebreche das dem Burschen und der verweist auf den Zollbeamten und bedeut mir, ich solle dort bezahlen. Dieser blättert und blättert in meinem Pass, steckte ihn in eine Art Drucker, so dachte ich, knöpfte mir 6 Dollar Ausreisegebühr ab, und ich war durch. Die ca. 500 Meter zum Zollgebäude in Costa Rica legten wir zu Fuss zurück. Der Bus stand bereits abgefertigt in Costa Rica.
Jetzt beim Migrieren wie immer, zuerst Passkontrolle und dann Gepäck durchleuchten. Soweit kam ich nicht. Wo ist der Stempel aus Nicaragua, fragt der Beamte. Ich deute auf den Pass. Er gibt in mir zurück und macht eine unwirsche Handbewegung. So ungefähr: abfahre!! Ich verstehe nicht und frage was das bedeutet: Que passa? Er kommt hinter seinem Schalter hervor, baut sich vor mir auf und sagt leise und böse: Ohne Stempel im Pass kommen Sie nicht nach Costa Rica rein. Unser Fahrer eilt mir zu Hilfe und redet auf den Beamten ein. Dieser schaut nicht mal auf und macht wieder diese wegwerfende Handbewegung. Der Fahrer gibt mir zu verstehen ich solle zurück nach Nicaragua und versuchen den Stempel zu erhalten. Jetzt bekomme ich etwas Panik. Wie soll ich von hinten auf verkehrtem Weg durch eine Abfertigungshalle am Zoll kommen. Aussenrum und dann von vorne wieder rein, geht nicht. Alles ist Einbahnstrassenmässig Richtung Nicaragua abgesperrt. Unser Fahrer sagt ich solle mich beeilen. Ich lasse alles stehen und liegen und renne los. Das war ein Ritt kann ich Euch sagen. Tausend Dinge gehen mir durch den Kopf. Zuerst mal natürlich sämtliche Verwünschungen die ich kenne an die Adresse des Zöllners. Dann, was mache ich, wenn der Typ an der Passkontrolle nicht mehr da ist. Wie erkläre ich das mit meinem wunderbaren Spanisch. Auf halber Strecke bin ich bereits Tropfnass. Es ist auch um diese Zeit schwül und warm. Ich erreiche das Gebäude, muss mich orientieren und renne weiter. Bei der Gepäckkontrolle die ersten Rufe, halt, halt. Ich renne weiter und halte meinen Pass in die Höhe und brülle: Stampa Stampa. Ich komme durch und bin am Schalter der Passkontrolle. Der Beamte ist immer noch derselbe und ich halte ihm den Pass hin und sage immer wieder Stampa Stampa por favor. Das Arsch blättert in aller Seelenruhe meinen Pass gefühlte unzählige Male vor und zurück, blickt mich ausdruckslos an, zögert noch ein paar lange Sekunden und tut endlich seine Pflicht, er stempelt. Ich renne zurück, wieder den Pass für alle sichtbar in die Luft streckend und brülle wieder Stampa Stampa. Ungehindert komme ich wieder auf der Costa Rica Seite an. Ich bin überzeugt, dass war Weltrekord. Beim Guinnessbuch der Rekorde werde ich einen entsprechenden Antrag stellen. Arsch Nr. 2 auf der Costa Rica Seite nimmt den Pass, kontrolliert wortlos und winkt mich durch. Nun noch die Gepäckkontrolle. Eine Frau. Sie schaut mich an, zögert und winkt mich durch. Ich muss schrecklich ausgesehen haben. Der Bus wartet bereits mit laufendem Motor und ich steige ein. Das Wasser läuft mir buchstäblich aus den Schuhen. Den Rest gibt mir dann die Klimaanlage im Bus. Die nächste Woche bin ich total verschnupft.
So nebenbei: Am Zoll Honduras nach Nicaragua geschieht ähnliches mit einem jungen Schwarzen aus Guatemala. Er spricht fliessend spanisch. Wir stehen insgesamt ca. drei bis vier Stunden auf der Migrationsseite in Nicaragua. Es werden gleichzeitig etwa vier bis fünf Busse abgefertigt. Gleich zu Beginn geht ein junger Beamter mit total blasiertem Gesichtsausdruck durch die wartenden Schlangen und macht so eine Art Vorkontrolle. Er knöpft willkürlich irgendwelchen Leuten den Pass ab, guckt rein und gibt ihn wieder zurück. Dem jungen Schwarzen nicht. Er steckt den Pass ein und verschwindet wortlos im Niemandsland hinter den Schaltern. Der Junge steht da und weiss nicht wie ihm geschieht. Die folgenden drei Stunden sind für ihn ein einziges Spiessrutenlaufen. Unser Fahrer versucht ihn zu unterstützten. Sie gehen von Büro zu Büro. Während wir unsere Migration durchziehen, sehr schleppend, rennt der Junge seinem Pass nach. Er ist völlig verzweifelt und mehr als einmal den Tränen nahe. Endlich, wir sitzen alle bereits im Bus, erhält er nach fast vier Stunden, seinen Pass ausgehändigt. Er weiss nicht warum, er erhält keine Erklärung, nichts.
Dieser junge Schnösel, der Zollbeamte mit dem dummen blasierten Ausdruck im Gesicht und der Migrationsbeamte in Costa Rica stehen für eine ganz bestimmte Sorte Mensch. Gib einem Mann Arbeit, ok. Gib einem Mann Verantwortung, ok. Gib ihm beides, ok. Gib ihm nun eine Uniform. Die zwei Herren lassen stellvertretend grüssen, für viele, viele, viele.
Heiligabend bin ich in San Jose und erfahre, dass der grosse Umzug erst am 26. Dezember stattfindet. Solange will ich nicht warten. Ich bin ziemlich müde, völlig verschnupft und will raus aus der Stadt. Nur zwei bis drei Busstunden weiter liegt am Karibikstrand Cahuita. Das wurde mir empfohlen und ich fahre dahin. Strand, Meer, Karibik. Das brauche ich jetzt.
Saludos
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