Die Karibik und die schlaflose Nächte

Strand, Meer, Karibik und warum es trotzdem nicht so toll war.

Cahuita ist ein kleiner Ort an der Karibischen See in Costa Rica. Es ist Weihnachtswochenende und das ist ein bisschen mein Verhängnis. Es ist scheinbar ein sogenanntes Naherholungszenter für die umliegenden Orte. Knappe drei Fahrstunden von San Jose entfernt.

Mein erster Blick auf die Karibische See

Viele Tagesbesucher mit Kind und Kegel die mit ihren Autos hinfahren und den kleinen Nationalpark, der parallel zur Küste verläuft, besuchen wollen. Sehr touristisch alles. Ich habe ein hübsches kleines Zimmer gebucht. Das Zimmer ist, wie so oft hier in Zentral-und Südamerika, in einem Patio mit hübschem Garten angelegt.

Von der Busstation sind es fünf Minuten ins Zentrum. Zwei Kreuzungen, etwa 10-12 Beizli, fünf Minuten zum Strand. Alles schön beisammen und ich gedenke hier meine Erkältung zu kurieren. Nachdem ich alles ausgekundschaftet habe, plane ich für den folgenden Tag einen Strandbesuch und ein bisschen «dolcefarniente» und am übernächsten einen Rundgang durch den Parque Nacional. Da soll es Krokodile geben.

Ich esse eine Kleinigkeit und nehme eine Dusche. Das warme Wasser fliesst spärlich bzw. gar nicht. Auf meine diesbezügliche Nachfrage erklärt mir die junge einheimische Dame an der «Reception»: Manchmal gibt es und manchmal gibt es kein warmes Wasser. Sie ergänzt und lacht über das ganze Gesicht: Es ist warmes Wetter hier, wir brauchen kein warmes Wasser.

Ja dann denke ich, gehe in mein Zimmer und lege endlich mein müdes Haupt in die Horizontale. Nicht für lange. Bob Marley weckt mich. Er gibt ein Konzert direkt vor meinem Zimmer. Ich gehe raus, aber da ist kein Bob Marley. Nur seine laute, sehr laute Musik. Sie kommt von ausserhalb der Mauern. An der Ecke neben dem Hotel ist eine Bar. Dort, keine 80m Luftlinie entfernt hat ein Discjockey seine Geräte aufgebaut und gibt alles. Volle Pulle. Es ist 21.00 Uhr, ich liege auf meinem Bett und ich sage mir: Marco, sei glücklich, Du bist in der Karibik, Du hörst Bob Marley, so laut und nah wie Du ihn nie gehört hast. Da draussen sind alles frohe Menschen und das Leben ist schön. Und es ist Weihnachten. 

Nun, ich könnte ja rausgehen und mitfeiern. Meine Kopfschmerzen, die triefende Nase und meine Müdigkeit lähmen mich. Also überlege ich, wie ich der Box da draussen den Stecker ziehen kann. Oder wie mordet man einen Diskjockey und niemand merkt etwas. Langsam geht es gegen 23:00 Uhr zu und ich hoffe, spätestens dann wird das Enden. Zumal in der Hausordnung des Hotels steht, dass ab elf Uhr nachts im Patio Nachtruhe angesagt ist. Nichts da, es wummert weiter. Um Mitternacht stehe ich auf und will mir den Betrieb mal anschauen. Das muss ein Riesenfest sein da draussen. Ich gehe die paar Schritte zur Kreuzung und zum kleinen Park… und da ist nichts. Keine Menschenseele. Der Diskjockey an der Bar legt einsam und verlassen eine Platte nach der anderen auf und schräg auf der anderen Seite der Kreuzung tanzen zwei Betrunkene unter den Bäumen. Ich fasse es nicht. Ein schlechter Witz oder versteckte Kamera auf Costaricanisch. Nun, ich kann nichts tun, ausser beten. Beten, der liebe Gott möge doch ein Einsehen haben und das Ganze mit einem Blitzschlag in die Musikanlage hinter der Theke beenden. Das tut er natürlich nicht und ich kehre um und will ins Hotel zurück. Das geht nicht, den zwischenzeitlich hat jemand das Tor zum Patio geschlossen. Jetzt reichts, ich rüttle und schreie das ganze Hotel wach. Was heisst schon wachschreien, geschlafen hat hier bestimmt niemand. Trotzdem dauert es ewig bis jemand aufmacht. Ich gehe wieder in mein Zimmer und um ein Uhr ist der Spuck zu Ende. Ich glaubte noch einen Knall gehört zu haben. Ob doch noch ein Blitz oder so…………….

am anderen Tag frage ich die Chefin ob heute Abend wieder ein Reggea Konzert auf der Piazza gegeben wird. Sie kann es nicht mit Sicherheit verneinen und ich packe meinen sieben Sachen und suche eine Bleibe am anderen Ende des Dorfes. Und ich werde fündig. Toll, mit Pool, grosses Zimmer mit TV, steuerbare Klimaanlage und nur unwesentlich teurer. Glück gehabt denke ich. Heute Nacht wird geschlafen.  

Den Tag verbrachte ich am Strand. Mit Brot, Salami und Käse ausgerüstet machte ich mich so gegen Neun Uhr auf den Weg. Unterwegs trinke ich eine Kaffee und während ich ihn trinke mache ich eine Beobachtung. Gekocht wird in diesem Restaurant auf einem Grill auf den eine Stahlplatte gelegt wird. Darunter ein munteres Holzfeuer. Etwa 1,5 Meter über dem Kocherd hängt ein Gitterrost. Auf diesen legt nun die Köchin ca. 30cm lange Fleischstücke. Es ist Rindfleisch und es gart auf diesem Rost während der nächsten zwei Tage. So erklärt sie mir auf meine Fragen. Das nenne ich doch mal „Niedergartemperatur“.
Ok, andere Länder andere Kochmethoden.

Habe es verpasst zu kosten, schade

Auf dem Weg zum Strand sind noch wenig Leute unterwegs und nach ca. 20 Minuten Strandspaziergang finde ich ein schattiges Plätzchen. Der Dschungel kommt hier direkt ans Ufer und spendet den ganzen Tag einen ideal Streifen Schatten. Etwa 20-30 Meter im Dschungel, parallel zu Strand, verläuft einer der Wege im Nationalpark. Dort sind schon einige mehr Menschen unterwegs. 

Ich setze mich auf mein Badetuch und will mir ein Frühstücks-Sandwiches machen. Das lange weisse Baquette nehme ich aus der Tasche und lege es auf die Decke hinter mir. Während ich meine Salami und den Käse auspacke höre ich jemanden laut rufen und sehe einen Mann aus dem Dschungel auf mich zu rennen. Er deutet auf etwas ein paar Meter neben mir und ich schaue hin und sehe mein Baquette im Dschungel verschwinden. Es ging Blitzschnell.

Trotzdem e guete

Der Dieb, ein Meerkatzenähnlicher Vierbeiner klaute mir hinter meinem Rückend das Brot von der Decke und fängt nun in sicherer Entfernung an mein Baquet zu fressen. Die Rinde schmeisst er weg, nur das weiche innere ist gut genug. Sehr zum Gaudi einiger Besucher im Park, welche von dort aus wacker fotografieren und sich amüsieren. Ich habe auch versucht den Kerl zu filmen, aber im Unterholz ist er sehr schwer auszumachen.

Salami und Käse ohne Brot schmeckt mir nicht und so nehme ich mein Jungfernbad in der karibischen See. Weiter als kniehoch wage ich nicht reinzugehen. Die Wellen erlauben kein schwimmen und hinter die Wellen zu gehen wage ich nicht. Es wird langsam Mittag und der Strand füllt sich. Als es dann fast so eng wird wie im Joggeli packe ich meine sieben Sachen verdrücke mich. Ich mache noch einen Umweg durch den Park und suche nach den Alligatoren. Keine gefunden und ich frage mich, was hätte ich getan wenn plötzlich einer aufgetaucht wäre. Den Crocodile-Dundee-Sprung? Wer kennt den Sprung?

Zurück in meiner neuen Bleibe am Pool und im Schatten, schreibe ich an einem Bericht fertig und geniesse den Rest des Nachmittags. Mit einer Cerveza und einem Teller Espaghetti al Ragout beschliesse ich den Tag und gehe schlafen. Und dann wache ich auf. Und es ist nicht Bob Marley. Nein, diesmal ist es wirklich schlimm. Ein Karaoke Sänger versucht sein Glück. Hinter meinem Schlaftrackt ist ein Karaokelokal angebaut. Ich habe das nicht gesehen. Nun, ich mache es kurz. Der Sänger scheint der einzige Gast zu sein. Er versucht es immer wieder und immer wieder mit dem gleichen Song. Grauslig anzuhören. Ab und an macht er eine Pause und immer dann, wenn ich langsam am einschlummern bin, beginnt er wieder von vorne. Irgendwann in der Nacht hatte auch er ein einsehen. Nicht mit mir natürlich, aber mit sich selber.

Am anderen Tag suche ich mir dem nächsten Bus Richtung Panama City und mache mich auf den Weg. Das war nicht «Sleepless in Seattle», sondern Sleepless in der Karibik. 

Saludos 

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