Die Fahrt nach Panama verlief ereignislos. Bemerkenswert waren höchstens auf dem zweiten Teil der Fahrt, die grossen Bananenplantagen. Sie ziehen sich links und rechts endlos der Strasse entlang. Das ganze Land hier ist von den grossen Obst-Exportfirmen aufgekauft. Chiquita lässt grüssen.


Ich nehme es vorneweg. Panama City ist nicht mein Fall. So ganz genau kann ich gar nicht sagen warum. Eine Super Skyline und eine sehr kleine aber sehr hübsche Altstadt, die Casco Antiquo. Vollgespickt mit alten Kolonialbauten. Kleine stilvoll eingerichtete Shoping-Cafés, wo nebst sehr gutem Kaffee und Snacks auch T-Shirts, Panama-Hüte, und vieles mehr angeboten wird. Auch der Mercado artesanos fehlt nicht. Die Altstadt liegt am Meer und auf der anderen Seite der sehr grossen Lagune kann die Skyline bewundert werden. Das besondere an Casco Antiquo ist, dass von vielen alten Kolonialbauten nur noch die Mauern stehen. Diese werden gestützt und so am totalen Einsturz gehindert.



An der Altstadt vorbei führt eine neue künstlich gebaute Halbinsel hinaus auf das Meer. Darauf stehen ein Vergnügungspark, Shops, Cafès und ein paar Hotels. Eine kleine Retortenstadt. Alles ein bisschen protzig. Zumindest ist das meine Empfindung.
Die Stadt selber ist laut und stickig. Grosse 6-8-spurige, vom Verkehr verstopfte Strassen und hässliche Bauten. Und nichts ist fertig. Als ein Beispiel von vielen nehme ich die Ein- und Ausfahrten zu den Tiefgaragen. Eine Baustelle nach der anderen (fast wie z`Basel).



Es war mein Plan auf dem Kanal zu fahren. Habe aber nur grosse Ausflüge nach Colon gefunden. Viele Touren waren während der Festtage gar nicht verfügbar. Das wenige an Angeboten war aufwendig und teuer und so habe ich mich mit einem Ausflug zu den Schleusen begnügt. Sehr eindrucksvoll. Wie wichtig diese Passage ist haben wir ja vor wenigen Monaten erfahren, als eine Schiffshavarie den Kanal für ein paar Tage unpassierbar machte.




Am letzten Tag im Jahr flog ich dann weiter nach Columbien. Den 1. Januar verbrachte ich auf der Plaza Bolivar in Bogota. Ein sehr spezieller Moment. Morgens um halb neun und wenige Menschen unterwegs. Fast andächtige Stille mitten in der Stadt.
Hinter der Kathedrale zieht sich die Calendaria, die Altstadt von Bogota den Monserrate Hügel empor. Zuoberst dann thront la Basilika de Monserrate, das Wahrzeichen von Bogota.Der Name Monserrate ist ein Überbleibsel der Spanier aus dem 17. Jahrhundert. Die Basilika wurde nach dem Gebirge Monserrate in der Nähe von Barcelona in Spanien benannt.






Ich habe mich in einem Apartment House im Stadtteil Chapinero eingemietet. Es gefällt mir überhaupt nicht dort und ich will nach Calendaria zügeln. Das tue ich einen Tag später und finde eine wunderbare Bleibe bei Nohora, einer ganz reizenden alten Dame, mitten in Calendaria.



Wunderbar. Bogota gefällt mir mit jedem Tag besser. Es regnet zwar sehr viel und ein einheimischer erklärt mir, dass es schon ungewöhnlich viel Wasser ist für diese Jahreszeit.
Nun, gegen das Wetter und das älter werden ist kein Kraut gewachsen. Ich beschliesse zur Basilika Monserrate hochzufahren. Man kann das mit einer Drahtseilbahn und/oder mit einer Funicular tun. Beide gehen praktisch parallel den Hügel hoch und runter. Ich werde mit der einen hoch- und mit der anderen runterfahren. Zu Fuss gehe ich den Hügel hoch bis zur Talstation. Meine Pumpe muss ganz schön arbeiten, immerhin, Bogota liegt auf über 2500 Meter. Bei der Talstation angekommen sehe ich, dass ich nicht der Einzige bin der am heutigen Tag diese Idee hat. Es heisst anstehen und das am Ende einer endlos scheinenden Warteschlange. Ok, ich habe Zeit. Nach einer Stunde habe ich etwa die Hälfte der Schlange abgearbeitet. Hinter dem Hügel ziehen wieder schwere Regenwolken auf. So wie jeden Tag, seit ich hier bin, wird es am frühen Nachmittag regnerisch. Ich muss entscheiden ob ich nass auf den Berg und wieder runter will, oder ob ich mir ein gemütliches Zvieri, in meinem mittlerweile auserkorenen Lieblingscafé, in Calendaria gönnen will. Die Entscheidung fällt mir leicht.
Eine halbe Stunde später sitze ich bei Kaffee und Kuchen und draussen fallen dicke und schwere Regentropfen. Gut gemacht, beglückwünsche ich mich und beschliesse am nächsten Tag ins Nationalmuseum zu gehen. Bei dem Wetter. Auch das eine gute Entscheidung.
Es ist ein wunderschönes Museum. Tolle mit viel Sorgfalt eingerichtete Räume. Ich erinnere mich nicht ein so schönes Museum schon mal gesehen zu haben. Wirklich fantastisch.
Treffe auch da wieder einen alten Bekannten. Seit Panama City läuft er mir immer wieder über den Weg. Der Simon Bolivar. Werde später noch auf ihn zurückkommen. Er hatte hier in Südamerika Gefährten. Habe sie in Ecuador, in Bolivien und in Argentinien kennengelernt. Ich will Euch aber hier nicht mit Museumswissen langweilen. Ich hoffe die Fotos bringen dieses Superschöne Haus einigermassen rüber.






Noch ein Wort zum Stadtteil Chapinero, wo ich die erste Nacht in Bogota verbracht habe. Ein Uber-Taxifahrer, mit dem ich ein bisschen geplaudert habe erklärte mir, dass das ein sehr guter Stadtteil in Bogota sei. Auf einer Scala von 2-7, so seine ziemlich genauen Ausführungen, leben dort Menschen der Einkaufsklasse 4-6. Ich war etwas erstaunt. Erstens über die Scala von 2-7 und zweitens war mein Eindruck ein völlig anderer. Ich fand das Quartier ziemlich düster, armselig und wenig attraktiv. So kann man sich täuschen.
Ich plane auch langsam meine Weiterreise. Und weil Peru immer noch im Ausnahmezustand lebt habe ich ein Routenproblem. Eigentlich wollte ich über Ecuador und dann via Peru zum Titicacasee und so nach Bolivien gelangen. Nun, mein Bruder in Basel fand einen sehr günstigen Flug nach Guayaquil in Ecuador und ich hoffte nach einem Wochenaufenthalt in Ecuador geht es dann doch weiter via Peru.
Es gibt dort nämlich einen wunderbaren Zug der von Guayaquil am Meer, hoch nach Quito auf 3500m in die Anden führt. Also flog ich via Panama City nach Guayaquil. Und das war dann keine gute Idee. Der Zug nach Quito fährt seit der Pandemie nicht mehr und in Peru wurde es nicht besser, im Gegenteil. Also, jetzt bin ich hier in Guayaquil und es gefällt mir gar nicht. Was mir sofort auffällt hier, es ist alles hinter Gitter. Die kleinen Läden haben alle ein Stahlgitter vor der Tür. Mein Mineralwasser wird mir doch die Gitterstäbe durchgereicht. Die grossen Geschäfte haben alle einen oder zwei bewaffneten Türsteher. Ja, es scheint hier ziemlich wenig sicher zu sein.


Mein Zimmer ist lausig und ich suche mir nach der ersten Nacht ein anderes. Visavis vom Flughafen, der direkt an der Stadtgrenze angebracht ist nehme ich ein Zimmer im Hotel Airport. Erstaunlich günstig. Keine 10 Minuten Fussweg hinter dem Hotel finde ich ein funkelnagelneu gebautes Quartier. Ich tummle mich da ein bisschen und beschliesse meinen etwas verunglückten Besuch hierher mit einem guten Nachtessen zu verschönern.



Das total neue Sheraton-Hotel ist mir da gerade gut genug. Die Preise sind moderat, sehr sogar. Aber alles sehr chic und ich freue mich auf ein gutes Essen. Nun, nicht nur die Preise sind moderat. Auch das Essen. Sehr sogar. Das Fleisch zäher als meine Flip Flop an den Füssen und der Risotto erinnert mich an einen Sandsturm. Ich bezahle und verlasse den schönen Ort. Gegenüber steht ein ebenso total neues riesiges Kaufhaus. Eine Hamburguesa und ein Bier und die Welt ist wieder in Ordnung.


Zwischenzeitlich habe ich an meiner Weiterreise rumgebastelt und dann folgendes beschlossen. Mit dem Bus (12Std) nach Quito ohne genau zu wissen wie weiter, das war mir jetzt zu ungewiss. Kommt nun dazu, dass auch in Ecuador Unruhen gemeldet werden. Guayaquil hat mehr Flugoptionen als Quito und so beschliesse ich einen günstigen Flug nach La Paz in Bolivien zu suchen. Den Titicacasee werde ich auf der bolivianischen Seite besuchen. Tatsächlich finden wir (mein Bruder und ich) eine sehr günstigen Flug nach La Paz mit Zwischenhalt in Panama City und Santa Cruz. Ha, schon wieder Panama City!!!
Am nächsten Abend fliege ich los und bin am anderen Morgen um 07:30h in La Paz. Habe sogar ein paar Franken gespart. Der Bus ab Ecuador plus zwei Übernachtung wäre einiges teurer geworden.
Ja dann, auf Wiedersehen in La Paz.
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