La Paz………..nicht von oben

La Paz 

Eine unglaubliche Stadt. So wie Venedig eines Tages im Meer verschwinden wird, so lauten zumindest viele Prognosen, wird eines Tages La Paz im roten Sand und Gestein versinken. Etwa 15 unterirdische Flussläufe unterspülen ständig die Mauern dieser Stadt. Sie ist in einem riesigen Kessel gebaut. Wenn man mit dem Flugzeug ankommt (auf 4200m) fährt man zuerst durch den Stadtteil Alto und dann runter in den Kessel auf 3500 Meter. Oben die Häuser mit rotem Backstein gebaut und an den Hängen und unten viele moderne Hochhäuser. 

Ist man erst mal unten und schaut ringsum, sind die verbauten Hänge immer wieder durch schroffe Steinbrüche unterbrochen. Über allem fahren Gondelliftkabinen in alle Richtungen. Von ganz unten bis hoch nach Alto. Für mich und meine Höhenangst eine echte Herausforderung. Ich nehme es vorneweg. Ich habe es versucht und bin kläglich gescheitert.

Die verschiedenen Routen der Gondelbahn sind nach Farben aufgeteilt. Ich habe mir auf dem Fahrplan eine vermeintlich einfache, durchs Zentrum der Stadt, gezogene Route zusammengestellt. Mit Blau beginne ich. Das geht einigermassen gut. Die Masten sind nicht viel höher als auf einer unserer Skipisten in der Schweiz.  Dann steige ich um auf die gelbe Linie. Plötzlich tun sich Gräben links und rechts der Häuser auf. Aus 30-40 Meter Höhe werden plötzlich 100 und 150 Meter. Ein Adrenalinstoss jagt den nächsten. Zum ohnehin starken Gefälle in der Stadt sind immer wieder diese Gesteinsbrüche, welche riesige Schluchten aufmachen. Der Schrecken ist um ein Vielfaches grösser als das Vergnügen. Als mir das Adrenalin aus den Ohren spritzt steige ich aus. Ok, La Paz von oben ist nichts für mich.

Einquartiert bin ich in einer Appartementwohnung im 14 Stockwerk eines Hochhauses. Das wird mir gar nicht so sehr bewusst, denn wenn ich zum Fenster hinausschaue sehe ich genau in einen dieser Gesteinsbrüche. Erst beim pinkeln auf der Toilette wo der Blick aus dem Fenster tief hinunter in die Häuserschlucht reicht, wird mir etwas schwummrig zu mute. Zwischen mir und dem Abgrund nur eine dünne Backsteinwand. Auf dieser Toilette habe ich nur einmal gepinkelt. 

Gleich neben dem Hochhaus ist das Selina. Ein wunderhübsches Lokal, Hostel, Kaffeehaus und Bar. Hat nur zwei Stockwerke. Ein Paradies. Da ziehe ich für den Rest meiner Tage in la Paz ein.

Selina

Am nächsten Tag habe ich einen Ausflug an den Titicacasee geplant. Bin mir nicht ganz sicher, schreibt man Titicacasee mit zwei c oder zwei k. Habe es hier am selben Ort, dort wo wir dann über den Fiord verschifft wurden, einmal mit k und einmal mit c geschrieben gesehen. Ich halte mich an das c. Sieht schöner aus. Das Ziel am See heisst Copacabana.

Der Bus startet unten im Talkessel. Bis hoch nach Alto geht es gut voran. Dann müssen wir durch Alto durch. Bereits morgens um 07:00 ist hier ein unglaubliches Gewusel an Verkehr und Menschen. Wir brauchen bis raus vor die Tore der Stadt zwei Stunden. Dann endlich freie Fahrt und nach vier Stunden sind wir da. Da sein heisst in diesem Fall, alles aussteigen und Mann, Maus und Autobus werden in Boote und auf Flosse verfrachtet und so über einen schmalen Fjord gebracht.


Mit diesem System wurden bereits im wilden Westen ganze Wagentrecks über die Flüsse und Seen transportiert. Auf der anderen Seite steigen wir alle wieder ein und die Fahrt geht noch eine Dreiviertelstunde weiter.

Mittlerweile hat es begonnen zu regnen und es ist bitter kalt. Wir steigen in Copacabana aus und ich mache mich sogleich auf den Weg runter zum Strand wo die Boote warten. Ein trauriger Anblick. Niemand ist unterwegs, es regnet, ich habe nasse Füsse und kehre um. In einem der vielen Kaffeehäuser welche da links und rechts an der Strasse stehen kehre ich ein und Wärme mich etwas auf. Dann wieder hoch zur Piazza wo alle die Busse stehen und rein in den nächsten besten der zurück nach La Paz fährt. Eine Dreiviertelstunde nach der Ankunft am Titicacasee bin wieder auf dem Rückweg. Tja, bei diesem Wetter hat es keinen Sinn auszuharren. Schade!!

Kein Durchkommen

Und wieder müssen wir durch diesen roten Häusergürtel in Alto durchfahren. Die Aussenquartiere beginnen etwa 10 bis 15Km vor der Stadt. Die Häuser links und rechts höchstens zwei oder dreistöckig. Praktisch keines ist fertig gebaut. Meist sind das Erdgeschoss und Teile im ersten Stock fertig. Aber überall leere Fensterhöhlen und Armierungseisen die in den Himmel ragen. Neubauruinen, fällt mir bei diesem Anblick ein. Während Kilometer kein schöner Anblick. Je mehr wir auf Alto zufahren umso grösser wieder das Verkehrsaufkommen, der Lärm und der Gestank nach Diesel und Benzin. Die Strasse ist mittlerweile sehr breit geworden. Sechsspurig und mehr verstopfen unzählige Kleinbusse, Autos, Busse und Menschen die Strasse. Die Kleinbusse haben Nummern von 100 bis 800. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Jeder dieser 10 bis 15 Plätzer hat eine Destination und laufend steigen Leute ein und aus. Mitten im Verkehr und mitten auf der Strasse. Wir brauchen wieder über zwei Stunden um dieses Chaos zu durchfahren. Es ist von oben aus dem Bus faszinierend zuzuschauen. Ein Feinverteilernetz auf Bolivianisch. Das System funktioniert…………noch. Alleine dieses funktionierende Durcheinander gesehen zu haben, machen die insgesamt 8-9 Stunden Busfahrt am heutigen Tag erträglich. Ich frage mich einfach, wie lange kann das noch so funktionieren bis das System kollabiert. Immer mehr Menschen, mehr Busse, breitere Strassen……?!?

Meine nächsten Stationen auf meinem Speisezettel sind Uyuni, die Salzseen, eine Zugfahrt nach Tupiza und dort der Besuch im Museum von Butch Cassidy und Sundance Kid.

Schaun mer mal!!

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