Uyuni Teil 1

Uyuni, Eisenbahnfriedhöfe und eine Prise Salz 

Von La Paz nach Uyuni, das sind knappe 10 Stunden Busfahrt. Abends um Zehn Uhr abfahren und am anderen Morgen um acht Uhr ankommen. Ursprünglich wollte ich ja Bahnfahren in Bolivien. Der Zug fährt in Oruro, einer alten Minenstadt im Norden Boliviens über Uyuni runter in den Süden bis an die Landesgrenze zu Argentinien, nach Villazon. Eine zweite Strecke kommt etwa in der Mitte Boliviens vom Osten des Landes, aus Sücre und vereint sich in Uyuni mit dem einzigen Geleise nach Villazon. Der Zug heisst El Tren del Sur. Weil ich eine Salzseetour geplant habe und die Züge, gemäss Fahrplan im Internet, nur an etwa drei Wochentagen nach Süden fahren, habe ich die Busvariante bis Uyuni vorgezogen.

Kein schöner Ort dieses Uyuni. Gebaut auf 3600 Meter, in erster Linie als Militärstützpunkt und als Verkehrsknotenpunkt für Bus und Zug. Klein, Trostlos und windig. Der Wind bläst ungehindert über das Hochplateau quer durch den ganzen Ort. Es knirscht immer ein bisschen zwischen den Zähnen. Ich buche meine Salz Tour und werde am anderen Morgen um 09:00 Uhr vor meinem Hotel abgeholt. Meine Mitreisenden, eine bolivianische Familie bestehend aus der Grossmutter, zwei Töchter, einer Nichte und dem 12- jährige Sohn der einen Tochter. Wir werden den Tag auf dem Salz mit Alberto dem Fahrer und Reiseführer und seinem uralten Land Rover verbringen. Bevor es zum Salzsee geht fahren wir auf den Friedhof. Etwa eine Viertelstunde ausserhalb Uyuni, vorbei an einer grossen offenen Müllhalde, hält Alberto an. Inmitten eines grossen Haufens von Schrott.

Hier draussen, in der Pampas, im Sand und Gestein stehen und liegen wie von einer riesigen Hand hingeworfen uralte Lokomotiven und Eisenbahnwagen. Seit Jahrzehnten stehen die hier und rosten vor sich hin. Teilweise bereits bis zur Hälfte sind die Räder im sandigen Boden eingegraben.

Dieser Eisenbahnfriedhof ist eine Touristenattraktion in Uyuni. Der Wind treibt immer wieder Plastiksäcke und Papier, von der Müllhalde her, über das Gelände. In etwa 150 Meter Entfernung stehen auf einer Fläche von ca. 100 Quadratmeter ein paar 1 Meter hohe Backsteinmauern und in diesen Mauern drin ein paar halbfertig gebaute Häuser. Ich bin neugierig, denn ich Sehe das in Bolivien nicht zum ersten Mal. Ich frage unseren Reiseführer, aber der hat keine Ahnung. Ich frage ein paar andere Fahrer und Reiseführer die da auf ihre Schäfchen warten. Niemand weiss etwas. Endlich, ein älterer Fahrer erklärt mir, dass die Gemeinde Uyuni hier eine kleine Siedlung für Ihre Obdachlosen bauen wollte. Nun sei das Geld ausgegangen und nichts geht mehr. Ja, das scheint das Schicksal von vielen Bauvorhaben hier im Lande zu sein. Bolivien ist voll von solchen Neubauruinen. 

Tja, also dieser Ort hier ist schon sehr seltsam. Sand, Rost und Schrott wohin man schaut, Bauruinen und in Sichtweite von etwa 100 Meter eine Müllhalde. Trostloser geht es wohl nicht mehr. Eine sehr bizarre Touristenattraktion.

Nach einer halben Stunde fahren wir weiter und nach etwa 50-60 Kilometer wird es zu unserer linken Seite weisser und immer weisser. Wir haben die Salzseen erreicht. Es sind die grössten dieser Welt. Alberto verlässt die Strasse und fährt ein paar hundert Meter auf Schotterstrassen um dann unvermittelt auf den Salzsee zu fahren. Vor einem kleinen Gebäude, eine Salzkammer, macht er halt und wir lassen uns zeigen wie das Salz gemahlen und in Einkilo-Säcke verpackt wird. 

Vorbereiten für die nächste Demonstration
Flinke schnelle Hände

 Etwa 1500 Menschen in der Gegend leben von dieser Art der Salzgewinnung.  Nach der kurzen Demonstration fahren wir raus in die weisse Unendlichkeit. Nun gibt Alberto Gas und rast mit etwa hundert Sachen über das weisse Salz.  Das gehört scheinbar zur Show. Bald sehen wir von dem riesigen Salzsee weder einen Anfang noch ein Ende. Albert rast weiter auf ein unsichtbares Ziel zu. Es ist als würde man über einen Gletscher fahren. Nur, die Gletscher die wir kennen sind überschaubar. Hier ist einfach nichts. Nur alles weiss, bis zum Horizont. Endlich tauchen in der Ferne ein paar dunkle Punkte auf und wir halten vor einem Park. Ein Park mit etwa 10 Figuren aus Salz gebaut. Dort treffe ich Globi. Jawohl, unseren Globi. Und wer es nicht glaubt, ich habe ihn fotografiert. Globi war eben überall und scheinbar auch in Bolivien.

Also, nachdem alle ihre Fotos geschossen habe, fahren wir weiter bis wieder in der Ferne etwas auftaucht und sich als Hotel mitten im Salzsee entpuppt. Auch das Hotel, alles aus Salzplatten gebaut. Wir essen hier etwas und bei der Gelegenheit erfahre ich auch etwas von meiner Reisegruppe. Die Oma ist die beste. Sie ist sehr an allem interessiert und hat viele Fragen an den Fahrer. Und sie hat wache Augen und Witz. Die eine Tochter kann etwas Englisch und so ergibt sich eine lustige Unterhaltung. Ich erfahre, dass alle vier Frauen ohne Männer leben.  Die Oma sagt, sie habe sich ihres Mannes entledigt und macht dabei diese eindeutige Handbewegung mit dem Finger über der Gurgel. Alle lachen herzlich und ich gehe mal davon aus, dass das nicht wörtlich gemeint ist. Der Vater des Jungen ist Peruaner und nicht vorhanden, und die andere Tochter hat nie geheiratet. Ich bemerkte, dass sie eine seltsame Familie seien, so ganz ohne Männer. Das bricht endgültig das Eis und wir lachen über die fehlenden Männer in ihrer Familie.

Nun, der Tag wird gemütlich. Als dann die Oma, sie ist erst 54 Jahre alt, fragt wie teuer es ist in die Schweiz zu fliegen und ob sie dort arbeiten könne, bin ich dann doch etwas erstaunt. Ich erkläre, dass ohne sehr gute Deutschkenntnisse eine Arbeit nicht zu finden sei. Das bricht mal für das Erste Ihren Enthusiasmus. Sie ist eindeutig der Kopf dieser Familie und ich glaube sie hat sehr gut erkannt wie klein eine gute Chance in ihrem Land ist. Für eine Frau noch viel mehr als für einen Mann. Ja liebe Leser, es gibt so Momente im Leben wo Du Dein Gegenüber verstehst, auch ohne Sprache. Manchmal genügt ein Blick in die Augen. Ich habe Ihr damals gewünscht und tue das auch jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, Sie die Oma, mögn auch nur annährend Ihre Wünsche und Träume in Erfüllung gehen sehen.

Wir verlassen das Hotel in der Salzwüste und fahren weiter an einen Ort wo noch das Seewasser wie aus Quellen an die Oberfläche drückt. In den kleinen Salzwassertümpeln baden viele ihre Füsse. Das soll viele Leiden heilen. Vor allem Rheumaprobleme und Hautkrankheiten. Ich habe mein Rheuma in den Schultern und überlasse das Baden den Leuten mit Fussproblemen. 

Wir fahren weiter und irgendwann steigt Alberto aus und zeigt auf diverse Löcher auf dem Salzboden. Er legt sich auf das Eis und greift tief in die Löcher und bricht dort unten Salzktristalle raus. Sozusagen Souvenirs aus erster Hand. Ich nehme auch ein paar und hoffe das sie den Transport nach Hause überstehen.

Zu guter Letzt gehen wir an einen Ort wo das Wasser etwa drei bis vier Centimeter auf dem Salz liegt. Der Sonnenstand am späten Nachmittag reflektiert jede Bewegung auf dem Wasser und es lassen sich tolle Fotos mit Spezialeffekten machen. Ich habe keine Stiefel mit und bleibe im Auto, während die Familie jede Menge Fotos macht.

Nun, irgendwann ist der Tag zu Ende und wir verabschieden uns herzlich. Ein sehr schöner Tag.

Eine Antwort zu „Uyuni Teil 1”.

  1. Avatar von Christoph Meier
    Christoph Meier

    Lieber Marco
    sagenhaft was Du alles erlebst, wenn es zT auch etwas trostlos wirkt. Viel Glück und Geduld bei der Weiterreise
    herzlich Christoph

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