Ein Phantom in Tupiza und ein Schlitzohr in Argentinien
ch bin immer noch in Uyuni und will unbedingt mit dem nun mit dem Zug weiter nach Tupiza. Dort steht das Museum von Butch Cassidy und Sundance Kid. Die beiden Banditen trieben sich so um 1890 in Bolivien und auch in Patagonien rum. Auf der Landkarte von Patagonien sind die beiden sogar namentlich aufgeführt. Nachdem sie die Bank von Rio Gallego ausgeraubt haben, versteckten sie sich eine Zeitlang in der Gegend unweit von EL Calafate.

Eine wilde Geschichte, voller Abenteuer, Halbwahrheiten und Mythen. Angeblich wurden die beiden in Bolivien bei einem Schusswechsel vom Militär erschossen. Jedoch gibt es viele die behaupten, die beiden Jahre später wieder in Texas gesehen zu haben. Die Geschichte wurde mit Robert Redford und Paul Newman in den Hauptrollen verfilmt.
Also, ich kenne die Geschichte, habe die Filme gesehen und bin nun so nahe an diesem kleinen privaten Museum in Bolivien. Ich will dahin. Ein Abogado Dr. Felix Chalar Miranda hat dieses Museum in Tupiza geschaffen. Die beiden haben ziemlich lange in diesem Nest unerkannt gelebt.
Laut Fahrplan im Internet und auch gemäss dem Plan der in meinem Hotel hängt müsste der Zug von Uyumi nach Tupiza dreimal die Woche fahren. Das war vor der Pandemie. Jetzt stehe ich vor dem Bahnhof und erfahre von einem Bahnbeamten, der mich nicht in den Bahnhof rein lässt, dass der Zug nur noch ein mal in der Woche fährt. Immer am Dienstag um sechs Uhr in der früh. Dienstag war gestern. Tja, und weil eine ganze Woche in Uyumi keine reizvolle Option ist, bleibt nur die Ochsentour mit dem Bus.
Morgens um Neun komme ich in Tupiza an und mache mich sofort auf die Suche. Ich will heute noch weiter an die Grenze zu Argentinien, nach Villazon.

Übermorgen habe ich in Salta den Zug in den Wolken gebucht. Via Internet komme ich nicht an die Adresse des Museums ran. Immer wird das Museum municipal angegeben. Das ist nicht die gesuchte Adresse. Ich frage einen Polizisten, ich frage zwei Taxifahrer und ein paar Einheimische nach dem Museum. Niemand weiss etwas. Herrgott nochmal, ich habe ein Interview mit Dr. Chalar im Internet gehört und habe die Bilder vom Museum gesehen. Niemand in Tupiza weiss etwas von meiner Räubergeschichte. Es gibt ein Hotel in Tupiza, das heisst «Hotel Butch Cassidy». Ich packe mir einen Taxifahrer und sage Hotel Butch Cassidy. Er schaut mich an und legt seine Stirn in Falten. Ich kann es nicht fassen. Tupiza ist ein kleines Nest. Etwa 8-10`tausend Einwohner. Ein breites ausgetrocknetes Flussbett trennt den Ort. Eine einzige Brücke führt auf die andere Seite. Alles klein und überschaubar.


Dem Mann scheint nun doch ein kleines Licht aufgegangen zu sein. Seine Stirn glättet sich und wir fahren los. Über die Brücke auf die Landstrasse, raus aus dem Ort, einen Hügel hinauf. Völlig falsch. Wir fahren zurück auf die Hauptstrasse. Geschafft, da steht das Hotel. Ich gehe rein und frage den Mann hinter dem Tresen. Wieder blicke ich in eine faltige Stirn. Aber immerhin, er nimmt sein Handy und beginnt zu telefonieren. Zwischenzeitlich habe ich den Taxifahrer reingebeten. Ich will sicher sein, dass die Adresse, falls ich den eine erhalte, im Originalton beim Taxifahrer ankommt. Der Hotelmann hält mir sein Handy hin. Sein Übersetzungsprogramm gibt mir die Info die ich brauche. Kurze Zeit später habe ich alles auf Google Map und wir fahren zurück über die Brücke ins Zentrum von Tupiza.



Wir stehen vor dem Haus in einer kleinen Nebenstrasse, unweit der Piazza Central. Wir läuten und rufen und werfen Steinchen an das Fenster im ersten Stock. Nichts rührt sich.
Wir läuten links und rechts bei den Nachbarn und erhalten die Auskunft, dass er wie jeden Morgen, wahrscheinlich auf der Piazza ist. Wir fahren zur Piazza und fragen uns durch. Ein Mann hinter einem Früchtestand kennt den Dr. Chalar und sagt, dass der Abogado schon seit Tagen nicht mehr auf der Piazza war. Er sei sicherlich in den Ferien. Meine Hoffnung schwindet. Wir fahren zurück zur Wohnung. Gegenüber kommt ein Mann aus einem Haus und will uns helfen. Er sagt, da steht das Auto von Dr. Chalar, also kann er nicht weit entfernt sein. Meine Hoffnung steigt wieder. Nun, es ist schlussendlich alles umsonst. Das Phantom Dr. Felix Chalar ist unauffindbar. Der Taxifahrer bringt mich wieder zur Buszentrale und ich kaufe mein Ticket nach Villazon. Eine Stunde später versuche ich es nochmals zu Fuss und gehe zurück zum Haus des Dr. Chalar, vergeblich. Ok, das war es mit Tupiza, eine kurze aber aufregende Begegnung.
Eine Stunde später bin ich in Villazon. Der Ort heisst auf bolivianischer Seite Villazon. Auf argentinischer Seite heisst er La Quiaca. Es gibt hier keine Bus bzw. Zugverbindung auf die jeweils andere Seite. Per Pedes oder mit dem Privatauto kommt Mann/Frau hier über die Grenze. Die Nordargentinier gehen gerne auf der bolivianischen Seite in Villazon einkaufen. Entsprechend floriert das Schmuggelgeschäft in dieser Gegend. Ich gehe also zu Fuss nach Argentinien und lasse mich in La Quiaca mit dem Taxi zum Busterminal bringen.
Nächster Halt ist in Salta, 200 Kilometer weiter südlich. Da wo der Zug in die Wolken abfahren soll.
Nun, die Fahrt nach Salta ist ein einziges Ärgernis. Kaum aus dem Taxi raus stürmen auch schon etwa drei «Transpörtler» auf mich zu und rufen fragend Salta? Ich sage ja, nach Salta und folge demjenigen, der mich mit der Zusatzinformation «in vier Stunden» am meisten beeindruckt. Die Fahrt ist überall mit 6 Stunden Fahrtdauer angegeben und ich finde das für 200Km eine lange Zeit. Seine vier Stunden versprachen eine Ankunftszeit in Salta bei Tageslicht. Es war jetzt erst vier Uhr am Nachmittag und um halb fünf will er losfahren. So sagt er. Schlussendlich fahren wir um Sieben Uhr weg. Bevor nicht der letzte Platz in seinem Bus verkauft ist, fährt er nicht. Sein Kleinbus ist sehr unordentlich und nicht sehr sauber und ich überlegte die ganze Zeit, ob ich nicht einen anderen «Busunternehmer» berücksichtigen soll. Habe ich nicht gemacht und so fahren wir dann kurz nach Sieben ab. Den Bus hat er so vollgepackt, dass seine Frau auf einen umgekehrten Farbkübel sitzen muss. Sehr wenig bequem. Tja, ich habe kein Mitleid mit ihr. Sie kassiert und kontrolliert die Ticket. Ein Familienunternehmen. Unterwegs geraten wir in nicht weniger als drei Zollkontrollen. Ja, in dieser Ecke des Landes wird scheinbar wirklich viel geschmuggelt. Wir verlieren viel Zeit, auch weil einige Fahrgäste unterwegs aussteigen. Und diese Orte liegen nicht immer an der direkten Route. Also, der Kerl ist ein echtes verlogenes Schlitzohr. Irgendwann so gegen 23:00 Uhr kommen wir in eine kleine Stadt. Es ist noch nicht Salta. Das sehe ich auf meiner Google Map Anzeige. Er hält an einer Ecke an, sagt zu mir «Salta», steigt aus und stellt mein Gepäck auf das Trottoir. Ich will protestieren und sage das ist nicht Salta. Er deutet auf ein rotes Auto, welches vor seinem Bus steht und sagt was auf spanisch zu mir und zu einem Mann der neben dem Auto steht, sitzt wieder in seinen Bus und fährt weg. Das Ganze geht blitzschnell. Der Mann mit dem roten Auto, es ist ein Taxi, erklärt mir, dass ich mit ihm die restliche Strecke nach Salta fahren werde. Es ist alles bezahlt, jedoch wir müssen noch auf zwei Fahrgäste warten welche ebenfalls nach Salta wollen. Ich koche vor Wut. Der Kerl aus La Quiacia hat mich nach allen Regeln der Kunst verarscht.
Wir warten über eine Stunde auf die zwei Fahrgäste. Es sind zwei junge Frauen die wie aus dem Nichts auftauchen und wir fahren endlich die letzten 30 Kilometer nach Salta. Kurz nach 01:00 Uhr erreichen wir den Ort. Mittlerweile hat es angefangen zu regnen. Ich habe einen Code erhalten um den Hausschlüssel zu meinem Zimmer aus einem Schlüsselkasten zu nehmen. Es hat vier solche kleine Blechkästchen an der Tür. Keines geht mit meinem Code auf. Ich vermute, weil ich nach Mitternacht einchecke ist der Code verfallen. Noch ein letzter Versuch, und siehe da, es klappt. Ich kann rein, beziehe mein Zimmer und leg mich in den Kleidern auf das Bett. Todmüde schlafe ich sofort ein. Irgendwann in der Nacht wache ich auf und bemerke, dass das Zimmer kein Fenster hat. Am anderen Morgen suche ich mir ein Zimmer mit Fenster und finde ein wunderschönes ganz in der Nähe der Piazza Central. Wolkenzug, ihm one the way!!!
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