Von Salta nach Mendoza und dann über die Anden nach Santiago
Eigentlich will ich auf der Höhe von Salta über die Anden rüber an den Pazifik nach Tocopilla oder Antofagasta. Diese Fahrten sind aber auf 4-5 Tage hinaus ausverkauft. So beschliesse ich auf argentinischer Seite runter nach Mendoza zu fahren und von da dann rüber über die Anden nach Santiago de Chile zu gelangen. Vergessen habe ich dabei, dass 1200Km weiter unten der Pazifik ziemlich kalt ist. Sehr kalt sogar. Nichts mit Playa und Badehose. Das ist mir zu frisch. Ich bin ein Warmduscher. Es war dennoch eine gute Entscheidung. Mendoza ist absolut eine Reise wert. Auch wenn diese Bussfahrt 18 Stunden dauerte. Für das Ticket habe ich Fr. 15.00 extra ausgegeben und mir einen der wenigen grossen und bequemen Sitz-und Liegesessel reserviert.
Abends um 17:00 Uhr geht es los und am anderen Tag gegen 11:00 Uhr bin ich in Mendoza. Bei der Reservation in der Unterkunft habe ich mich um einen Tag im Datum geirrt und so muss ich mich für die erste Nacht mit einem Bett in einem Sechserzimmer begnügen. Mein Vorschläfer hat noch nicht ausgecheckt und so stelle ich mein Gepäck ein und mache mich auf eine erste Erkundigungstour in die Stadt Mendoza.



Zwei Dinge fallen mir sofort auf. Unheimlich viele Bäume und viel Grün und immer wieder ca. ein Meter tiefe und ein Meter breite Gräben zwischen Trottoir und Strasse. Zuerst denke ich, dass ist ja lebensgefährlich in dieser Stadt. Nichts da mit nächtlichem um die Häuser gehen. Mit etwas Oel am Hut wird hier der Heimweg zum russischen Roulette. Immer wieder diese Gräben. Je näher ich dem Zentrum komme umso schöner sind die Gräben ausgekleidet. Teilweise mit schönen runden Pflastersteinen. Und nun dämmert es mir. Das sind Kanalisationen für die Unmengen von Bäumen die da in den Strassen stehen. Regelrechte Alleen.



Es sind breite, teilweise vierspurig befahrene Strassen. Und es sind grosse Bäume deren Kronen sich in der Mitte der Strassen zu schönen grünen Arkaden schliessen. Ich laufe durch jede Menge Strassen und überall das gleiche Bild. Einfach Phantastisch. Ich habe das so noch in keiner Stadt gesehen. Wenn das jemand von Euch in einer anderen Stadt auch so explizit erlebt hat, würde mich das interessieren.
Hier in Mendoza begegnet mir auch wieder General Jose San Martin. Er war ein Revolutionär und hat mit Hilfe des chilenischen Generals Bernardo O. Higgins die Spanier in Chile bekämpft. 1818 hat er die Stadt Santiago de Chile besetzt. Später hat er auch Peru, mit der Unterstützung des Venezuelanischen Generals Simon Bolivar, von den Spanier befreit. Diese drei Herren sind mir seit Panama bis tief runter in den Süden Patagoniens immer wieder begegnet. Sei es in den Museen, sei es hoch zu Ross auf den Piazzas oder als Namensgeber für Avenues und Stadtviertel. Mendoza hat einen Riesenpark am Rande der Stadt. Flächenmässig ein Drittel so gross wie die ganze Stadt. Er ist nach General Jose San Martin benannt. Mendoza hat eine unwahrscheinlich grosse grüne Lunge.
Hier im argentinischen Weinland wollte ich eine Tages-Velo-Wein Tour buchen. Das habe ich auch gemacht. Habe den Tour Führer kennengelernt und habe die anderen Teilnehmer gesehen und dann kurzerhand einen Rückzieher gemacht. Ein Schnorrer und ein paar jugendliche Radakrobaten. Dann ein sehr heisser Tag und keine E-Bikes. Das hat genügt um diesmal meiner inneren Stimme zu folgen. Ich machte mir einen schönen halben Tag im Park und die zweite Hälfte des Tages verbrachte ich im schattigen Garten der Unterkunft mit Berichten schreiben.
Zweimal ging ich dann am Abend in Mendoza an der Avenue San Martin in zwei schöne Lokale unter die Bäume sitzen. Das Essen war gut und der Malbec sowieso. Es gab viele solche Wein und Grilllokale unter den Bäumen. Also ja, Mendoza ist in jeder Hinsicht eine sehr schöne Stadt.
Am dritten Tag zog ich wie beabsichtigt weiter nach Santiago de Chile. Hoch auf dem Berg auf fast 3000 Meter Höhe, mitten in einem chilenischen Skigebiet ist der Zollübergang. In zwei riesigen hohen Abfertigungshallen, funkelnagelneu hingestellt, mit Platz für etwa 15 grosse Autobusse werden wir abgefertigt. Bemerkenswert an dieser Stelle ist das Prozedere mit den Covid-Dokumenten. Der Busunternehmer hat schon beim Buchen der Tickets, darauf aufmerksam gemacht, dass die Chilenen explizit die Coviddokumente prüfen. Wir stehen nun also in der Schlange vor einem Tisch wo zwei Frauen in Zivil die Dokumente sehen wollen. Es geht blitzschnell. Die zwei schauen die Dokumente kaum an und geben diese gleich wieder zurück. Viel Lärm um nichts. Ich hätte auch ein Guezli-Rezept hinhalten können und wäre durchgewunken worden.


Nun, auf der Chileseite geht es dann durch das Skigebiet ziemlich steil runter. So ein bisschen wie an der Tremola am Gotthard, nur ohne Geländer. Ansonsten ist die Fahrt ereignislos und wir erreichen Santiago am späten Nachmittag. Es ist alles riesig hier. Der Busterminal ist immens und ist gekoppelt mit einem Bahnhof. Ja mit einem Bahnhof. Ich sehe Eisenbahnwagen und ganz normale stromgetriebene Lokomotiven. Mein Herz schlägt höher. Habe ich da etwas übersehen. Komme ich da tatsächlich mit der Bahn weiter in den Süden.
Ich will es sogleich wissen und beginne zu recherchieren. Alles weiter dann im Bericht: Von Santiago nach Puntares.
Bis bald!!
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