Von Santiago nach Puntarenas


Liebe Mitreisende, Santiago und ich, das ist keine Liebesgeschichte. Es hat mir vom ersten Moment an hier nicht gefallen und ich merke, jetzt wo ich Bilder und Filmli in den Text mischen soll, dass ich von Santiago kein einziges Foto gemacht habe. Ausser von der Unterkunft. Sorry, das tut mir leid. Darum als Ersatz drei Bilder von der Landschaft auf dem Weg hierher. Das muss leider genügen.

Der Busterminal in Santiago ist immens gross. Genaugenommen hat es zwei. Einen nationalen und einen Internationalen. Der nationale ist mit einem Bahnhof gekoppelt. Oh ja, Santiago hat einen Bahnhof. Und der ist nicht einmal so klein. Ich sehe vier Bahnsteige und auf zweien stehen je eine abfahrbereite Zugskomposition. So wie im wirklichen Leben. Das ist ja unglaublich. Habe ich da etwas übersehen. Gibt es da in Chile eine Möglichkeit ein paar Kilometer mit der Bahn in Richtung Süden zu fahren. Freude herrscht und etwas aufgeregt suche ich einen Informationsschalter. Ich finde ihn und frage die Dame am Schalter nach einem Fahrplan. Sie sagt, es gibt keinen Fahrplan und ich weiss augenblicklich, es war ein heftiger aber ein sehr kurzer Traum. Sie zeigt auf eine vergilbte Wandtafel hinter ihr, wo zwei Fahrspuren aufgezeigt sind mit ungefähr 8-10 namentlich aufgeführten Haltestellen.

Also zwei Furzgerade Linien, in der Mitte als roter Punkt der Bahnhof und auf jede Seite hin fährt der Zug fünf bis sechs Haltestellen in die engere Agglomeration. Ich frage scherzhaft, dass der Zug also nicht bis nach Patagonien fährt. Sie hat ihren Humor an einem anderen Ort als ich. Es kann natürlich auch an meinen Spanischkenntnissen gelegen haben. Jedenfalls schaut die Gute mich an, als wäre ich von Sinnen. 

Ok, das Thema Eisenbahn ist gestrichen und ich mach mich auf den Weg zu meiner Unterkunft. Der Uber Taxi fährt und fährt und ich merke, meine Unterkunft liegt ganz schön weit ausserhalb vom Zentrum. Meine Ankunftszeit habe ich bei der Schlummermutter (Nora) mit ca. 18:00 angegeben und ziemlich genau um diese Zeit stehe ich vor dem Haus bzw. vor einem verschlossenen Gatter vor dem Haus. Keine Glocke nichts und ich warte mal so 30 Minuten lang.

Ich habe zwar Ihre Telefonnummer aber Nora reagiert nicht. Etwa 20m nebenan schwatzen zwei Frauen vor einer Haustür. Ich gehe hin und frage ob sie Nora kennen. Ja natürlich tun sie das und kommen rüber zum Gatter und rufen ein par mal laut Noras Namen. Und siehe da, die Türe geht auf und ich bedanke mich für die Unterstützung. Eric, so heisst der junge Mann der mich reinlässt, ist der Hausverwalter von Nora und zeigt mir mein Zimmer, das Haus und erklärt mir alles was ich als neuer Mitbewohner wissen muss. Das Haus ist ein Bijou. Mit Wendeltreppen, wunderschöner grosser Wohn-Terrasse und einem aussergewöhnlichen Empfangskomitee. Drei Katzen, eine davon noch winzig klein, streichen mir um die Beine. Ich fühle mich hier sofort wohl. 

Das Kapitel Santiago ist ein schnelles und kurzes. Es gefällt mir nicht in dieser Stadt. Ich kann nicht genau sagen was es ist. Alles ist gross und laut. Unglaublicher Verkehr donnert dauernd an mir vorbei. Ich beschliesse baldmöglichst weiter Richtung Patagonien zu reisen und muss entscheiden auf welchem Weg soll es nach Süden gehen und mit was reise ich. Am anderen Morgen früh gehe ich wieder zum Autobusterminal und mach mich schlau. Ich vergleiche Flugpreise und Autobusstarife und bin sehr überrascht. Fliegen ist sehr günstig in Argentinien. Für praktisch das gleiche Geld (Fr. 200.00) kann ich wählen zwischen 30 Stunden Busfahren und 4.5Std. Fliegen mit einem Zwischenstopp in Puerto Montt. Der Entscheid ist schnell gefällt und ich werde tief runter nach Punta Arenas in Patagonien fliegen und das Feld von unten aufrollen. Via Puntarenas, Puerto Natales, El Calafate und eventuell über Chalten, werde ich Patagonien kennenlernen und mich langsam nach Norden Richtung Esquel zum «alten Patagonien Express» durchwühlen. Ich gehe zurück in meine Bleibe bei Eric und versuche mal diesen Flug zu buchen. Das gelingt, bis auf ein kleines nicht unwichtiges Detail. Alles gebucht und bezahlt und ich erhalte die Bestätigung. Aua, anstatt das Flugdatum für Morgen erscheint das Datum vom 17. März. Da bin ich wohl kräftig irgendwo mit dem Cursor verrutscht. Hab doch alles vorsichtig und genau gemacht. Scheinbar nicht. Was tun. Viel Erfahrung habe ich nicht mit Direktbuchungen. Genau gesagt, gar keine. Doch da erscheint ein rettender Engel. Er kommt in Form einer neuen Mittbewohnerin. Anke aus Holland kommt auf die Terrasse, begrüsst mich und bemerkt, dass ich ziemlich unglücklich bin. Kann ich helfen fragt sie. Sie kann. Als wir dann gemeinsam trotzdem im Dschungel der Umbuchungsformulare stecken bleiben kommt der zweite rettende Engel. Eric kommt auf die Terrasse und bemerkt unsere Verzweiflung und fragt, kann ich helfen. Er kann. Kurzerhand ruft er bei der Fluggesellschaft an und erhält den wichtigen Link zum Umbuchen und den Link um die Umbuchungskosten zu bezahlen. Ganze 25 Dollar kostet das Umbuchen und eine halbe Stunde später habe ich mein Ticket mit richtigem Datum auf meinem Handy. Tja, spanisch muesch könne. Es soll mir keiner mehr sagen es gäbe keine Engel. Dabei kommt mir in den Sinn: Warum sind Engel eigentlich immer männlich? Egal, ich kenne jetzt eine weibliche Engelin aus Holland und einen männlichen aus Argentinien.

Am nächsten Tag bzw. in der Nacht um 05.00 Uhr fliege ich ab und bin um 09:00 in Patagonien, in Puntarenas. Und gleich in der ersten halben Stunde lerne ich etwas kennen, das es nur in Puntarenas gibt. Und es gibt es auch in Puntares nur an einem einzigen Ort. Warum auch immer.

Bis bald 

Ciao zämme

Hinterlasse einen Kommentar