Fast am Ende der Welt
Also, da stehe ich nun um 10:00 Uhr Vormittags in Punt Arenas und es weht mir ein kalter Wind um die Ohren. Mein Zimmer habe ich über Airbnb gebucht und weil in der Beschreibung über die Örtlichkeit geschrieben stand, am Yachthafen, durfte ich doch annehmen das Haus stehe hier irgendwo im Ort am Wasser. Falsch gedacht. Das Haus steht auf halbem Weg vom Flughafen nach Punt Arenas, zwar schon am Wasser, jedoch der Yachthafen, das war einmal.
Bin dann mit dem Taxi zurückgefahren, die sind hier sehr billig, habe mein Zimmer bezogen und nun stehe ich also hier auf der kleinen Plaza und habe grosse Lust auf einen Kaffee und e Gipfeli. Punta Arenas schläft noch. Fast niemand ist unterwegs, alles geschlossen, es ist eisig kalt und windig. Hallo, wo ist das Empfangskomitee. Ich gehe eine schmale Strasse entlang, von der ich vermute, dass sie zum Meer hinunterführt. Obwohl schon mehrfach eines besseren belehrt, habe ich immer noch die Vorstellung, dass am Wasser Betrieb herrscht und es von Kaffees nur so wimmelt. Nicht in Punt Arenas. Nur Wind, Kälte und kein Mensch unterwegs. Ok, ich bin tatsächlich am Ende der Welt. Ja, und die Welt ist auch nicht rund, denn da hinten, da wo der Horizont sich mit dem Wasser trifft, da hört sie auf, die Welt.
Mit solchen Gedanken im Kopf gehe ich um die nächste Ecke wieder Richtung Ortsmitte, das Zentrum von Punt Arenas ist nicht sehr gross, und sehe am Ende der Strasse ein paar Menschen. Nichts wie hin. Die stehen vor einem Lokal, dass geöffnet hat. Ich schaue rein und verstehe warum die paar Leute vor dem Lokal stehen. Es ist winzig klein und knallvoll. Alle sitzen an der Bar und essen und trinken das gleiche. Etwas das ausschaut wie Milch und etwas das ausschaut wie Minipfannkuchen. Irgendwann gibt es Platz und wir Rücken nach und ich ergattere einen Platz am Ende des Bartresens. Neben mir sitzen drei Einheimische und Essen und Trinken das soeben beschriebene. Durch einen offenen Durchlass sehe ich in die Küche und dort stehen drei Frauen die machen nichts anderes als diese kleinen Pfannkuchen zu backen, zu halbieren und mit etwas bestreichen. Tonnenweise.
Ich bin da an einem speziellen Ort gelandet. Ich beobachte wie eine der Frauen hinter dem Tresen einen grossen Glasmixer zur Hälfte mit Bananen füllt und den Rest mit Milch auffüllt. Nichts kommt dazu, nur Bananen und Milch. Das Ganze füllt sie nach dem Quirlen in eine grosse Kanne. Ok, dieses Geheimnis wäre gelüftet. Ich bestelle das was hier alle bestellen und harre den Dingen die da serviert werden. Die Küchlein sind aus Weissmehl gebacken und noch warm. Die einen sind mit einer sanft gewürzten Tomatensauce und die anderen zusätzlich mit zerlassenem Käse gefüllt bzw. bestrichen. Sie schmecken wunderbar. Und auch der «Bananenshake» schmeckt köstlich.
Meine drei Nachbarn wollen wissen woher ich komme und wir kommen ins Gespräch. Sie erklären mir, dieses Lokal sei nun 60 Jahre alt und es gibt hier nichts anderes als Leche und Chori Pan oder Chori Queso. Heute sei Samstag und es habe wenig Gäste. Normalerweise reicht die Schlange draussen bis hoch zur Kreuzung. Es ist in ganz Chile das einzige Lokal in dieser Art. Meine Weltuntergangsstimmungen sind vorbei. Die Welt ist wieder rund und schön.

Am anderen Tag habe ich einen Ausflug auf eine Pinguininsel gebucht. Wir fahren auf einem Katamaran etwa 90 Minuten hinaus aufs Meer, vorbei an Feuerland auf eine kleine Insel. Unterwegs sehe ich meinen ersten Walfisch. Eine Zeitlang begleitet er das Boot weit draussen und wir sehen nur immer wieder seine Wasserfontäne. Plötzlich taucht er jedoch für einen kurzen Augenblick etwa 50 Meter neben dem Boot auf und verschwindet gleich wieder. Immerhin, so 10 Sekunden lang konnte ich seinen breiten Rücken bewundern.


Die Pinguininsel ist eine Naturschutzzone und nicht sehr gross. In knapp 2 Stunden haben wir Sie umlaufen. Ja, sie sind «härzig» diese Pinguine. Es hat viele Jungtiere. Die ganz kleinen sind noch härziger als die anderen. Die Jungtiere die schon so gross sind wie die Alten sind an ihrer grauen Farbe zu erkennen. So ab zwei Jahren gelten sie als erwachsen und bekommen dann ein weisses Gefieder und schwarze Flügel.
Die Alten sitzen oder stehen vor ihren Nestern, das sind so in den Boden gegrabene Unterschlüpfe und pflegen Ihre Jungen. Eines der Elterntiere ist normalerweise unterwegs zum Wasser und besorgt Futter. Ansonsten tut sich nicht viel.
Da ist bei den Lachmöwen einiges mehr los. Die zanken und kreischen, sorry, lachen sich ständig um irgendetwas. Wenn eine oder zwei beginnen zu lachen, stimmen die umstehenden 50-100 Möwen mit ein. Der Lärm ist Ohrenbetäubend. Nun, irgendjemand zankt sich immer. Ja doch, auf dieser Insel wird viel und laut gelacht.


Wir fahren dann irgendwann zurück. Ausser ein paar Seelöwen sehen wir keine Meeresbewohner mehr. Auch der Walfisch hat buchstäblich das Weite gesucht.
Ich überlege ob ich auf Feuerland, ganz an das Ende der Welt, nach Ushuaia reisen will. Ich mache mich schlau, auf Reisebüros und bei Einheimischen. Ich stelle fest, Ushuaia ist sehr teuer und als Ort nicht sehr attraktiv. Auch die Argentinier haben den Tourismus entdeckt. Um diese Jahreszeit ist es auch schwierig ein Zimmer zu finden. Ushuaia ist für Leute interessant die in die Antarktis wollen. Die Meisten dieser Touren starten von dort. Also entscheide ich nach Puerto Natales, Richtung Norden, weiter zu ziehen. Vorher gehe ich aber noch einmal im Kiosko Roca frühstücken. Noch einmal Leche mit Chori Pan und Chori Queso. Ein Festessen.



Noch ein Wort zu meiner Unterkunft am nicht vorhandenen Jachthafen. Obwohl etwas weit draussen habe ich mich wohlgefühlt. Das Haus etwas verwinkelt gebaut mir vielen Fluren und Ecken. Einsam und verlassen an diesem Stück Strand. Immer wenn ich kam oder ging tauchte aus dem Nichts und auf leisen Sohlen die Dame des Hauses auf und begrüsste oder verabschiedete mich. Eine kleine runde Person. Sie schien nie zu schlafen und war immer da in diesem einsamen Haus. Ja, schon etwas speziell. Fast ein bisschen unheimlich. Aber nur fast. Ich genoss den Blick über das Meer wo noch ein Streifen Feuerland sichtbar ist. Jede Stunde fuhr ein Bus nach Punt Arenas. Und die zehn Minuten Taxi kosteten FR. 5.00. Ich glaub ich war der einzige Gast im Hause. Jedenfalls habe ich nie jemanden gesehen oder gehört.
Ja dann, auf nach Puerto Natale. Für diejenigen die etwas mehr wissen wollen über Punt Arenas, hinterlege ich auf der Infomail einen entsprechenden Link.
A presto
Marco
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