El Calafate……..

und ein paar Betrachtungen 

Für die Botaniker unter Euch, der Name Calafate stammt von einem hier unten häufig anzutreffenden Strauchgewächs, den Calafate-Sträuchern, der Buchblättrigen Berberitze, mit gelben Blüten und dunkelblauen Beeren. Aus dieser Strauchfrucht wird Marmelade oder Likör hergestellt.

Ich nenne den Ort, das St. Moritz von Patagonien. Sehr nobel und für argentinisch-patagonische Verhältnisse sehr teuer. Jede Menge Boutiquen, schicken Restaurants und Bars. Wobei, die sogenannte regionale Handwerkskunst, die Mann/Frau hier in den Souvenirläden kaufen, ist fast ausnahmslos mit Made in China angeschrieben. Sind halt vielseitig die Chinesen. Die können auch Patagonien.

Steht ein bisschen für alles wie es in Calafate aussieht

Punta Arenas und Puerto Natales waren noch in Chile. Um hierher zu gelangen war wieder einmal eine Landesgrenze zu überschreiten. So ein bisschen einen Hinterhofzoll, wenige Kilometer nach Puerto Natales. Für mich das vorletzte Mal. Das nächste und letzte Mal werde ich das Migrationsprozedere in Buenos Aires bzw. in Zürich über mich ergehen lassen müssen. Madrid/Spanien ist Transitland. Habe es gerade mal überschlagen. Wenn ich richtig gezählt habe bin ich auf dem Weg nach Patagonien und zurück 18-mal migriert. Ja, es ist offensichtlich. Meine Reise neigt sich langsam ihrem Ende zu.

Zurück nach El Calafate. Wenn ich mir an dieser Stelle, eine kleine Betrachtung erlaube, so stelle ich fest: Wäre dieser Ort meine Erste Begegnung mit Patagonien gewesen, hätte ich wahrscheinlich entzückt gedacht, Oh was für ein reizender Ort, dieses El Calafate. Nun aber, nach Punta Arenas und Puerto Natales bin ich fast etwas enttäuscht. Fast ein bisschen zu hübsch und aufgeräumt. Ich werde hier keine Bananenmilch und keine Chori Pan finden. Und es pfeift auch kein kalter Wind um die Ecken. Davon zeugen schon nur die vielen Strassencafés entlang der Hauptstrasse. Also, das ist jetzt schwierig zu beschreiben und eventuell bin ich auch ungerecht. Ich versuche es auf diese Weise. Weiter unten im Süden war ich auch als Tourist unterwegs. Hier in El Calafate bin ich es noch ein bisschen mehr. Ja, irgendwie das könnte der Grund für meine momentane Befindlichkeit sein. 

Mein Favorit, den ganzen Tag Sonne an dieser Ecke

Nun, ich bin hier, weil ich den Perito Moreno Gletscher anschauen will und gegen einen Campari, den gibt es hier, am Strassenrand unter den Bäumen ist ja nun auch nicht sehr viel einzuwenden. Auch nicht gegen Sonne und Wärme. Es ist hier etwa 16-18 Grad warm und die Sonne fühlt sich wunderbar an. Ich buche meine Tour und werde am anderen Morgen vor meinem Hostel abgeholt. 

Die Fahrt zum Gletscher, in einem Minibus für 16 Personen, dauert eine gute Stunde und wir müssen unterwegs, am Eingang zum Nationalpark unseren Obolus entrichten. Auch hier kostet das nochmals 6000A-Pesos, also etwas über Fr. 30.00. Der Gletscher rückt näher und wir halten wieder an um ein paar Fotos zu schiessen. Wir werden alle gefragt ob wir optional eine Bootsfahrt kaufen wollen. Die Boote kreuzen dann so ca. zwei Stunden vor dem Gletscher auf und ab. Ich habe mir beim Buchen ein paar Fotos von der Tour angeschaut und mit meinem Zimmervermieter darüber gesprochen. Er hat mir von den Bootstouren abgeraten. Die Sicht auf den Gletscher, auf den sehr grosszügigen Terrassen, sei vollauf genügend. Die Boote würden, wegen der Gefahr eines Eisabbruchs, auch nicht näher am Gletscher sein, als die Terrassen es sind.  Ich befolgte seinen Rat und bin der Einzige der keine Bootsfahrt bucht. Die Entscheidung ist jedoch Goldrichtig. 

In einer kleinen Bucht besteigen alle meine Mitreisenden das Boot und ich fahre dann mit dem Bus noch etwa 5 Kilometer zu den Terrassen. Ich verbringe auf den Terrassen und auf dem Rundweg in eine kleine Bucht, sowie im Restaurant bei Kuchen und Kaffee drei bis vier gemütliche Stunden. Der Gletscher ist sehr Eindrücklich und war bis vor ca. zwei Jahren der einzige wachsende Gletscher Weltweit. Zurzeit, so erklärt uns die Reiseleiterin, sei er seit zwei Jahren stabil.

Am anderen Tag treffe ich zwei deutsche Gletscher-Mitreisende, in einem Kaffeehaus in Calafate. Sie erzählen mir, dass es auf dem Boot sehr eng und sehr schwierig war zu fotografieren. Auch zu Essen und zu trinken habe es nichts gegeben. Meine Entscheidung auf die Terrassen zu gehen sei die klügere gewesen. Ich konnte mir ein bisschen Schadenfreude nicht verkneifen. Ausserdem habe ich 5000A-Pesos gespart. Und ich stelle wieder fest: Die Argentinier können Tourismus. Nimmt man das Packet «Perito Moreno» mit Boot, und das tun über 90 Prozent, so kostet das Total 26’000.00 A-Pesos (Fr. 126.00). Ist das viel oder wenig? Soll jeder selber entscheiden. 

Und dann erlaube ich mir zum Abschluss dieses Berichtes noch einige zusätzliche Betrachtungen. Ohne zu kritisieren und in keinster Weise belehrend. Die letzte halbe Stunde am Gletscher verbrachte ich sitzend auf einem Bänklein, am grossen Parkplatz vor dem Restaurant. 

Ich schaute dem Touristen-Treiben zu. So ungefähr ab 15:00 Uhr beginnt das grosse Schäfchen-Eintreiben der Tour Organisatoren. Alle Touristi werden auf diesem grossen Sammelplatz aufgegabelt. Jede Gruppe hat einen bestimmten vorgeschriebenen Zeitpunkt wo sie hier abgeholt wird. Es stehen den ganzen Tag etwa 10 Autobusse hier, mit laufenden Motoren. Sie fahren an und weg, laden aus und ein oder warten. Den ganzen langen Tag. Das sind über hundert Autobusse. Also meine Gedanken kreisen um folgendes. Das Gletschersterben steht als eines der grossen Symbole für den schädlichen CO2 Ausstoss Weltweit. In ganz Südamerika, Zentralamerika, Mexiko und in grossen Teilen der USA besteht das Transportsystem aus Autos und Autobussen. Und nicht nur dort. Wie soll da ein Bewusstsein entstehen können dafür, dass das in nicht so weiter Ferne, zu einem katastrophalen Kollaps führen wird. Es ist ja auch in unseren Breitengraden, wo wir ja daran glauben es besser zu wissen, sehr schwierig dieses Bewusstsein zu schaffen und zu fördern. Fast etwas bizarr das Treiben hier. Aber als dann das kleine Teufelchen im Hinterkopf noch denkt, du hast Dich ja auch hierher karren lassen, stehe ich auf und gehe nochmals zurück in das Restaurant und bestelle mir eine Cerveza. Manchmal ist so ein Bierchen eine gute Sache. Auch wenn Du gar keinen Durst hast.

Ja also, für heute habe ich genug gedacht. Die Rückfahrt verläuft ereignislos. Als wir wieder in El Calafate sind, investiere ich die gesparten 5000A-Pesos in ein gutes Nachtessen und in einen guten Wein. Das macht Freude.

Sehr gut gegessen

Auf den Fitz Roy verzichte ich. Alleine die Hin- und Rückfahrt zu diesem Gebirge dauert fünf Stunden. Ich bin etwas satt vom vielen Busfahren, vom Schauen und Erleben. Es stehen mir noch die Fahrt mit dem alten Patagonien Express und ein paar Tage in Buenos Aires bevor. Darauf werde ich mich konzentrieren. Auf die Zugfahrt mit „La Trochita“ freue ich mich sehr. Obwohl, ich bin immer noch nicht ganz sicher ob das Spürchen überhaupt fährt. Spürchen deshalb, weil La Trochita heisst „das Spürchen“. Weil es eine Schmalspurbahn ist. Die Leute nennen es dort liebevoll so. Also, um da hinzukommen muss ich mich noch ein gutes Stück nach Norden, in die Provinz Chuput, nach Esquel bewegen. Ein gutes Stück, das heisst etwa 1200 Kilometer und das sind etwa 24 Stunden Busfahren. Ich mach mich auf den Weg vor die Tore der Stadt, raus zum «Terminal de Bus» und buche mein Ticket nach Esquel. Leider sind alle bequemen Sessel bereits ausverkauft und ich muss mit einem Platz für Normalos vorlieb nehmen. Tja, der Preis der späten Entscheidung. Liebes Spürchen, ich bin unterwegs.

Bis bald

El Gringo

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