Buenos Aires Teil 1
Verschiedene Wege führen nach Buenos Aires. Mit dem Bus via Bariloche sind das total nochmals etwa 24 Stunden Busfahren. Es gäbe da auch einen Zug, den «Tren Patagonico». Der fährt einmal die Woche von Bariloche, quer durch Patagonien nach Viedman. Von den Anden im Osten an den Atlantik im Westen. Diese Zugfahrt dauert etwa 16-18 Stunden. Der Zug tuckert mit etwa 40km Stundengeschwindigkeit durch die Pampas nach Viedman. Der Zug könnte schon schneller fahren, aber die alten maroden Geleise lassen keine höhere Geschwindigkeit zu. Dann bin ich aber erst an der Küste in Viedman und müsste nun noch 1000Km Hoch nach Buenos Aires fahren oder fliegen.
Oder dann mit dem Flugzeug, das jeden Tag einmal vom kleinen Flughafen in Esquel nach Buenos Aires fliegt. Als ich dann die Preise, Reisezeiten und Aufwände vergleiche ist der Fall klar. Ich setze mich also hin und versuche einen Flug zu buchen.
Über einen Billiganbieter versuche ich mit diversen Tarifen zwischen umgerechnet Fr. 200 bis 250.00 zu buchen und werde immer wieder kurz vor der definitiven Buchung aus dem System geworfen. Nach dem X-ten Versuch gebe ich auf und entschliesse mich zum Flughafen rauszufahren und vor Ort zu buchen. Das sind zwar nochmals insgesamt Fr. 40.00 Taxikosten, jedoch ich preislich immer noch sehr gut im Rennen. Als ich Paula erkläre was ich vorhabe erklärt sie mir, dass ich das Taxi Geld sparen soll, Sie würde mir den Flug buchen. Sie fliege etwa drei Mal im Jahr nach Buenos Aires zu Ihren Verwandten und buche jedes Mal erfolgreich selber. Sie holt ihr altes IPad-Gerät hervor und zwanzig Minuten später, nenne ich ein Ticket bei der Airline Argentina für Sage und Schreibe Fr. 180.00, mein eigen. Ich erkläre Paula zur Miss Argentina und will sie zu einem Apero Einladen. Das geht aus zweierlei Gründen nicht. Es verstösst gegen Ihr Prinzip, das da lautet: Gehe nie mit Deinen Gästen aus, und ausserdem sagt sie, trinke sie keinen Alkohol. Nun, das bedauere ich sehr und erkläre die Taxikosten endgültig für gespart.

Also gehe ich alleine in die Weinbar und trinke einen guten Tropfen auf das Wohl aller Paulas dieser Welt, auf meinen Abschied aus Patagonien und auf die kommenden Tage in Buenos Aires. Der junge Wirt und seine Frau leisten mir Gesellschaft und es wird ein richtig gemütlicher Abend.
Am anderen Morgen wird gepackt und so gegen Mittag lasse ich mich vom Taxi auf den Flughafen bringen. Viel zu früh bin ich dort. Der Flughafen ist sehr klein, ja winzig. Die Airline Argentina besitzt dort den einzigen Eincheckschalter und der wird erst eine knappe Stunde vor dem Start bedient. Von dort etwa 60 Meter zur Ticketkontrolle und dann direkt raus auf die Rollbahn wo ich zusammen mit ca. 50 weiteren Passagieren in den wartenden Flieger steige. Um 17:30 Uhr landen wir auf dem Stadtflughafen in Buenos Aires und eine Stunde später stehe ich bereits vor dem Appartementhouse, wo ich via Airbnb mein Zimmer gebucht habe.



Ich bin hier mitten im Herzen von Buenos Aires gestrandet. Zmitzt im Chueche, wie wir so schön zu sagen pflegen. Das Zimmer bzw. das Appartement gefällt mir jedoch überhaupt nicht und ich suche mir am nächsten Tag etwas anderes. Ich finde schnell ein sehr günstiges und gepflegtes Hotel unmittelbar um die Ecke an der Plaza de Mayo. Noch mehr «z`mitzt» geht gar nicht. Gleich zu Beginn an der Plaza steht ein wunderschönes altes Restaurant, das «Café Pertutti». Ich mache es sogleich zu meiner Stammbeiz. Von hier aus werde ich Buenos Aires erobern.
Es ist ein klassisches grosses Italienisches Café im dunklen Holz gehalten, mit schönem gedämpftem Licht, grossem Buffet und alten Möbeln. Am Eingang wird der Gast von zwei hübschen Damen empfangen, er erhält die Karte und wird an einen freien Tisch gebracht. Irgendwann kommt dann ein Kellner und nimmt die Bestellung auf. Etwa drei oder vier Chef de Service stehen rum und beobachten die Gäste und die Kellner. Ein bisschen Vornehm alles, aber nicht zu sehr. Wer etwas zu Essen bestellt, und sei es auch nur ein Sandwich, erhält ein weisses Tischtuch. Ich sitze gleich neben dem Eingang an einem kleinen Tisch und esse eine wunderbare Frambois Patisserie und beobachte ein bisschen. Draussen fängt es an zu regnen und einer der Chefs schiebt einen rechteckigen, etwa einen Meter hohen und 20cm breiten Kasten vor den Eingang. Ich denke, was soll diese Kiste da im Eingang. Kaum gedacht, erfahre ich des Rätsels Lösung. Ein älterer Herr mit einem Schirm tritt ein. Der Chef nimmt ihm den Schirm ab, steckt ihn in eine Öffnung oben am Kasten. Ein Surren ertönt und der Chef nimmt den Schirm, nun mit einem Plastikpariser versehen wieder aus der Öffnung und der Gast wird mit einem trockenen Schirm an seinen Tisch gebracht. Das Ganze geschieht mit solcher Selbstverständlichkeit und Coolness, dass ich lachen muss. Sowas habe ich nun wirklich noch nie gesehen. Die Regenschirm-Kondommaschiene im Café Pertutti an der Plaza de Mayo. Grossartig.



Als es aufhört zu regnen verlasse ich das Pertutti und erkunde mal die nähere Umgebung rund um mein Hotel und dann besichtige ich die Plaza die Mayo. Am Ende der Plaza steht die Casa Rosada. Die Residenz des argentinischen Präsidenten. Das Gebäude ist von Gittern umzäunt und wird von ziemlich gut bewaffneten Soldaten bewacht. Ich frage einen von ihnen, ob der Präsident tatsächlich in diesem Haus arbeitet. Der junge Mann zeigt stolz auf ein Fenster im obersten Stockwerk und erklärt mir: Ja natürlich, der Präsident kommt jeden Tag hierher und arbeitet den ganzen Tag in diesem Haus. Das hoffe ich doch, denke ich. Was ein tüchtiger Präsident ist, der liebt sein Volk und arbeitet den ganzen Tag. Ob er den ganzen Tag arbeitet, weiss ich nicht. Ob der Präsidenten sein Volk liebt? Nun, darauf deutet mindestens ein grosses rosa Herz in weissblauem Feld hin, welches hoch über dem Eingang zum Gebäude hängt und über die ganze Plaza strahlt.

Durch Buenos Aires zu schlendert ist ein wahres Vergnügen. Es ist eine wunderbare Stadt. Ich habe immer das Gefühl ständig die Kamera zücken zu müssen. Immer wieder schöne alte Fassaden, Denkmäler, kleine Ecken und tiefe Häuserschluchten. Der ehemalige Reichtum dieser Stadt tropft buchstäblich von den Dächern. Ja, und nicht nur das. Das Kondenswasser aus den unzähligen Kühlaggregaten die an den Häuserwänden kleben, das tropft auch. Und sogar ziemlich häufig. Mit der Zeit lerne ich einen Bogen zu machen, immer dort wo der Boden nass ist.



Auf dem Weg zurück in mein Hotel entdecke ich ein schönes Restaurant und beschliesse dort den Tag mit einem guten Abendessen zu beenden. Zuerst aber bringe ich mein Äusseres ein bisschen auf Vordermann, leiste mir einen Apero im Pertutti und setze mich dann an die schön aufgedeckte Bar in besagtem Lokal. Die Karte ist recht anspruchsvoll und trotzdem staune ich über die moderaten Preise. Das Porterhouse-Steak für umgerechnet Fr. 15.00 ist eine butterzarte Delikatesse. Ich lerne während dem Essen einen Barnachbar kennen und wir unterhalten uns auf italienisch. Er ist Argentinier mit italienischen Wurzeln und spricht sehr gut die Sprache seiner Ahnen. Wir unterhalten uns prächtig und ich erfahre so einiges über Buenos Aires und die argentinische Lebensart. Er gibt mir ein paar Tipps wo ich was in Buenos Aires ansehen soll. Unter anderem empfiehlt er mir wärmstens, ich solle unbedingt das Museum für Lateinamerikanische Kunst, das Malba, besuchen. Und das tue ich dann am anderen Tag.
Das Malba ist ein sehr schönes, kleines Museum und stellt nur Werke von südamerikanische Künstler aus. Ausser Frida Kahlo (wer kennt sie nicht) kenne ich keinen der Künstler deren Werke hier gezeigt werden. Es waren eindrucksvolle, sehr farbige und sehr kräftige zwei Stunden Erlebnis.









Über ein anderes Museum in Buenos Aires wäre dann noch ein seltsames Erlebnis zu erzählen. Ich werde mir das für
Buenos Aires Teil 2 aufheben.
Bis sehr bald
Saludos
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