Memphis Tennessee

Tag 1 USA

Memphis Tennessee

Komme am Mittwochabend 22:30h örtliche Zeit im Flughafen Memphis Tennessee an und fahre mit dem Taxi in das bereits gebuchte Hotel Windham. Ich hatte in der Nähe von Graceland gebucht, weil ich das Elvis Museum besuchen wollte. Weil aber der Eintritt nach Graceland bereits 80 Dollar kostet und dann das Museum nochmals knappe 100Dollar will, war mir das zu teuer. Ich beschloss also den Elvis auszulassen und direkt nach dem Frühstück nach Memphis zu fahren. Das Hotel steht ca. 6 km ausserhalb des Flughafens auf dem Weg nach Memphis. Nach Memphis Down Town sind es vom Hotel aus noch ca. 15-20km

Nun, das Hotel war eine Katastrophe. Immerhin 77 Dollar. Abbruchreif, muffig, miefig etc. etc. Ich betrete das Zimmer, kein Lichtschalter funktioniert. Ein total verwrakter junger Mann in total zerschlissener Hose (keine Mode) musste mal drei Birnen auswechseln. Ja was auch immer, so kitschig wie die Eingangshalle dekoriert, so gruslig das ganze Haus und das Zimmer. Ich lasse die Bilder sprechen!

Auf das Frühstück um 08:00 habe ich verzichtet. Wo denn die nächste Busstation für den Bus nach Memphis sei, habe ich gefragt. Outside Right, a few minutes. Ich also raus aus dem gesegneten Ort und mache mich on the road. Die few minutes entpuppen sich als ein 50 Minutenmarsch einem Highway entlang. Es ist saukalt und der Rucksack wird immer schwerer. Endlich die Busstation. Es ist eine Stopp and Go Haltestelle. Der Bus kommt nach ca. 35 Minuten und nachdem er mich fast übersehen hätte, darf ich dann in die alte klapprige Kiste einsteigen. Immerhin ist es schön warm im Bus. Die Herrlichkeit dauerte knappe fünf Minuten und wir halten an einer grossen Bushaltestelle mit Wartehalle und diversen Perrons. Der Fahrer bedeutete mir ich müsse für nach Down Town Memphis in den Bus Nr.4 umsteigen. Der komme in „a few minutes“. Ich stehe also an die Säule mit der vier und warte. Open land, der Wind bläst quer über die Station. Eiskalt. Gefühlte 2 Grad. Keine Fahrpläne nirgends. Ich wage es nicht in die warme Halle zu gehen. Er hat gesagt „a few minutes“. Aushalten Marco, aushalten sage ich, Du bist erst am Anfang deiner Reise. Nach 40 Minuten kommt ein Bus mit der Nummer vier. Ich will einsteigen. Der Fahrer bedeutet mir, Start in 10 Minuten und geht pinkeln. Ich sprinte in die Halle und hole einen Kaffee, eile zurück zum Bus und sehe noch seine Schlusslichter Richtung Down Town entschwinden. Keine fünf Minuten habe ich gebraucht. Asshole war noch das frömmste was ich dem Fahrer hinterher schrie. In seiner Landessprache selbstverständlich.

Ich stelle fest, die Menschen in USA (oder nur in Memphis?) haben ein spezielles Zeitgefühl. Ein paar Minuten sind hier mindestens eine halbe Stunde. Darunter geht nichts. Werde es mir merken.

Ok, ich gehe zurück in die Wartehalle wo ich am Schalter, der hat nun aufgemacht, die junge Dame nach dem nächsten Bus frage. Sie eröffnet mir, dass auch der 28¨ziger nach DownTown fährt. In a few minutes, sagte sie mit totaler Gelassenheit. Ich beschloss noch ein letztes Mal jemandem zu glauben der „a few minutes“ sagt und eilte wie ein geölter Blitz mit Sack und Pack an die Säule mit der Nummer 28. Nach einer Stunde kam er. Ich fuhr selig, völlig erfroren aber im warmen Bus nach DownTown. Kurz vor Down Town meldete sich ein ganz kleines Stimmchen in der hintersten Ecke meiner Hirnschale und fragte mich ein bisschen hinterhältig: Lieber Marco, wenn Du für diese lausigen 15Km einen ganzen Vormittag brauchst, wie lange brauchst Du dann nach Patagonien?

Ich hasse dieses kleine Stimmchen. Es weiss immer alles besser als ich! Aber lassen wir das und gehen zurück in den warmen Bus. Nach ca. 15 Minuten sind wir in DownTown. Wo aussteigen? Mittlerweile bin ich der einzige Fahrgast in der klapprigen Kiste. Der Fahrer hat mir schon beim Einsteigen kaum geantwortet und so entscheide ich nach meinem Bauch und ziehe an der Stopleine. Ich steige aus und gehe ein paar Schritte und stelle fest, mein alter Ego hat mich eingeholt. Mit untrüglichem Instinkt habe ich die Altstadt und die Ausgehmeile gefunden. Es ist 13:30h und fast niemand unterwegs. Auch wenig Verkehr. Ich frage mal einen der wenigen nach dem Fluss und der sagt mir: Strait on, a few Minutes. Ich bekomme augenblicklich Gänsehaut. Ich will noch einen zweiten fragen, aber da ist niemand. Also gehe ich bangen Mutes strait onund wie wunderbar, nach gefühlten drei Minuten stehe ich unvermittelt vor dem Mississippi. Es ist zwar eine Baustelle zwischen mir und dem Fluss und auf dem Foto ist er kaum zu erkennen, aber da ist er. Ich entschliesse mich dazu, später eine schöne Stelle für ein schönes Foto zu finden. Jetzt brauch ich einen Kaffee und e *Gipfel*.

Ein bisschen Wasser siehst Du unter der Brücke
Gut schauen, ein wenig Mississippi ist sichtbar

Also zurück in die Altstadt. Da ist alles noch geschlossen. Endlich finde ich ein Starbucks Kaffehaus. Ich hab’s in Basel mal versucht, einen Starbucks Kaffee zu trinken. Eine grässliche Erfahrung. Egal, ein Kaffee muss her. Sogar Croissant hat es. Aber so wie der aussieht entscheide ich mich für einen Beagle. Schlechte Entscheidung, aber der Kaffee ist gut wenn auch etwas dünn.

Ich will weiter, den ich suche ein Tourist Office und einen IT-Laden. Ich will eine lokale SimKarte kaufen. Draussen merke ich, dass ich um zu viele Ecken gelaufen bin. Wo ist der Mississippi? Ich gehe wieder rein und frage einen weissen Mann in Monteur-Latzhosen. Er kommt mit raus und zeigt mir die Richtung und empfiehlt mir, ich soll zwei Blocks weiter abbiegen, diese Gegend sei gefährlich. OK denke ich, dass schon um die Mittagszeit und bedanke mich.

Ich gehe nicht wie geplant Fotos machen, denn ich will zuerst das Tourist Office finden und meine Weiterfahrt nach Neworleans organisieren. Ich werde meine Louisiana Erkundungen von dort aus planen. Ich finde das Tourist Office das keines ist. Was ich bräuchte sei eine Tourist Agency. Es lebe der kleine Unterschied. Die geben hier Auskunft über Touren und verkaufen Souvenirs, machen aber keine Buchungen etc. Die haben auch keine Map von Memphis. Immerhin, eine ungefähre Richtungsangabe wo den ein IT-Shop sei, erhalte ich.

Ich mache mich auf die Socken und merke einige Blocks später, ich bin auf falschem Pfad. Ein junger Schwarzer in bunten Hosen kommt daher und ich frage Ihn nach dem IT-Shop und auch nach der Train Station. Yaeee sagt er und wippt nach einer inneren Musik, die nur er hört, von einem Fuss auf den anderen. Oje denke ich, hoffentlich ist der nicht verladen. Er versichert mir er könne mir beides zeigen, er sei ein Rapper und ein Memphis Citizen. Thes is my Homestat,

 sagt er. Wir kehren um und er plaudert vor sich her und ich bin mir nicht immer sicher ob er mit mir oder mit sich selber spricht. Sein Südstaatenenglisch verstehe ich kaum, oder besser, überhaupt nicht. Überall grüsst er Leute und teilweise grüssen diese zurück, er klopft an Schaufenster und die Leute winken Ihm zu. Entweder ist er ein (harmloser?) Spinner oder tatsächlich ein Rapper den man hier kennt. Nun, er bewegt sich zielgerichtet voran und nachdem wir durch ein schmales unbelebtes Strässchen gehen, wohin ich ihm zögerlich folge, zeigt er auf ein kleines Geschäft und meint, dass ich hier eine SimKarte kaufen kann. Er kommt mit rein und ich frage den Inder hinter dem Tresen nach der Karte. Fehlanzeige, er hat sowas nicht. Oh Man, what a shit sagt mein Begleiter und flucht. Der Inder schaut mich bedeutungsvoll an und ich denke, dass ich wohl besser alleine weitersuche. 

Memphis zweiter Teil in Kürze. /. Saludos

5 Antworten zu „Memphis Tennessee”.

  1. Hammer geschrieben, da lebt man gleich mit. Suerte y cuidado

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  2. Super Marco, weiter mit Deinen Berichten. Sind sehr interessant. Liebe Grüsse Bernhard

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  3. Lieber Marco, ich habe mit dir gezittert und gefroren. Ein spannender Bericht. Danke.

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  4. Oh lieber Marco, deine Reise hat ja schon abenteuerlich angefangen. Zuhause auf dem Sofa klingt das sehr amüsant und ich kann es mir bildlich vorstellen. Zum Glück hast du einen Seidenschlafsack um in diesen ekligen Motels zu überleben. Viel Glück Gerda

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  5. Die spinnen die Amerikaner……..

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