Austin, El Paso, Chihuahua

Austin, El Paso, Chihuahua

Ja dann, New Orleans und die Parade, alles bereits Geschichte. Ich stehe da im Busbahnhof von New Orleans wo um 19:00h der Nachtbus nach Austin abfährt. So steht es jedenfalls auf dem Ticket. Doch der Bus kommt und kommt nicht und nach ca. 2-3 Stunden heisst es dann, dass der Bus in einen Unfall verwickelt sei und ein Ersatzbus demnächst bereit gestellt wird. Aus dem demnächst wurden weitere 2-3 Stunden und dann wurde auf den Fahrplanmässigen nächsten Bus um 6:30h am anderen Morgen verwiesen. Nach einer nicht ganz gemütlichen Nacht auf den Metallsitzen in der Wartehalle der Greyhound Busgesellschaft bestiegen wir dann pünktlich den Bus zur genannten Zeit. Ankunft in Austin ca. 20:00 Uhr.
Kleiner Trost, dieser Bus fährt nicht über San Antonio, so wie es der Nachtbus getan hätte und so sparen wir rund zwei Stunden Fahrzeit.

Ein paar Gedanken“Sprünge“ eines etwas weichgekochten Buspassagiers

Die Fahrt war ereignislos und Langweilig und ich hatte alle Zeit der Welt mir ein Hotel zu suchen bzw. die Reservation über Booking.com zu tätigen. 

Einwurf: Ich schreibe diesen Bericht im Hotelgarten des Hotel Margarita in San Christobal de las casas (Chiapas). Am Nebentisch ein verliebtes Pärchen, dass sich gegenseitig die Nasenhaare ausrupft. Niedlich anzuschauen!!!

Also, der Bus hält mit einiger Verspätung irgendwo im Dschungel der Grossstadt Austin und wir sind angekommen. Ich habe keine Ahnung wo wir sind. Es ist 22:00Uhr, viel Betrieb ringsum, Bars, buntes Treiben, laute Musik. Während der Fahrt hörte ich den Fahrgast hinter mir auf italienisch telefonieren. Seine Freundin oder Frau solle ihn abholen kommen. Er steht nun neben mir und schaut sich suchend um. Ich spreche ihn auf italienisch an und frage, ob er wisse wo mein Hotel sei. Tatsächlich konnte er mir die Richtung anzeigen und mit dem Hinweis, ich solle schnellstmöglich aus diesem Viertel verschwinden es sei molto pericoloso hier, verschwand er im zwischenzeitlich bereitstehenden Auto seiner Frau oder Freundin.

Das Ziel der Begierde in Austin

Ok, ich schnalle meinen Rucksack auf den Rücken und bewege mich mit grossen Schritten in die angegebene Richtung. Nach ca. 20 Minuten verändert sich die Umgebung und ich fühlte mich wieder einigermassen sicher. Ein Nachtportier eines Hotels wo ich vorbeigehe, bestätigt mir, dass ich nicht mehr weit weg vom Ziel bin. Noch über die nächste Brücke über den Red River und dann hinter dem gross beleuchteten Whataburger Stand, sagt er. Mittlerweile bin ich buchstäblich nudelfertig. Eine Nacht im Busbahnhof, 15 Std. Busfahren und ein Nachtspaziergang durch Austin machen sich bemerkbar. Auf dem Fussweg, der etwas tiefer angelegt ist als die Brücke ohne Gehsteig, überquere ich den Red River. Mitten auf der Brücke bleibe ich stehen und schaue zurück. Der Anblick haut mich um. Buchstäblich. Die nächtliche Skyline von Austin raubt mir den Atem. Ist es die Wucht dieses unerwarteten Anblicks, ist es die Müdigkeit, was auch immer liebe Freunde Zuhause, es ist für mich ein ergreifender Moment. Ich will so viel wie möglich von diesem Gefühl versuchen zu konservieren und ich spüre, dass dies ein sehr wichtiger Moment ist.

Citylights

Nun, genug der Gefühle, in fünf Minuten erreiche ich mein Hotel und in nochmals fünf Minuten bin ich bereits im Bett. Ich kann lange nicht einschlafen, ob zu müde oder zu aufgeregt weiss ich nicht. 

Kim
Am anderen morgen verabrede ich mich mit Kim. Dieser Kontakt wurde mir von einer weitgereisten lieben Freundin aus Basel/Winterthur vermittelt und so findet mein ursprünglich geplanter Zwischenstopp, auf dem Weg nach Chihuahua, nicht wie geplant in San Antonio, sondern in Austin statt. Kim lebt mit seiner Familie seit Jahrzehnten hier und kennt jede Ecke. Er holt mich im Hotel ab und wir fahren den ganzen Nachmittag durch eine wunderschöne hügelige Gegend westlich von Austin. Der Red River wird hier gestaut und es entstand ein wunderschöner See mit prächtig gebauten Häusern, Villen etc. Also Kim kennt hier wirklich jedes und jeden. Wir halten an und begrüssen Leute in Ihren Vorgärten etc. etc.

Ich weiss jetzt wo die Eltern von Robert Redford gelebt haben, wo Emma Stone wohnt und ich kenne den Hügel wo der IT Tykoon Michael Bell seine bescheidene Hütte stehen hat.

Ein schöner gemütlicher Nachmittag. Kim bringt mich dann pünktlich zum Bahnhof in Austin wo der Nachtzug nach El Paso bereitsteht. Thank you Kim / Thank you Elsbeth!!

Vor dem Einsteigen in den Nachtzug, noch einmal ein Bettmümpfeli!!

Am frühen Morgen erreiche ich El Paso. Der Grenzübergang ist nicht weit. Der Zoll (border) wird hier als „The Bridge“ bezeichnet. Es ist sehr warm in El Paso und alles sehr schäbig. Hässliche zweistöckige Häuser säumen den Weg zur Bridge.
Diese führt etwa 200 meter über zwei Autobahnen hinweg zum Zollübergang. Alles hoch eingezäunt, mit Stacheldraht verhangen, führt ein schmaler Fussweg neben der stark befahrenen vierspurigen Fahrbahn nach Mexiko.

Zwei fliegende Händler, eine alte Frau und ich werden wortlos durchgewunken. Nicht mal einen Stempel erhalte ich.
Ich wage nicht zu fragen. Mexikanische Zollbeamte mit umgehängter Maschinenpistole können unangenehm werden, so sagte man mir. Werde mir den Stempel bei der Ausreise holen. El Paso Mexiko ist noch trüber, noch staubiger und noch hässlicher als die US-Seite. Die Schlaglöcher in der Strasse sind nicht nur der Tod einer jeder gesunden Radaufhängung, nein, auch ein unschuldiger Wandersmann aus Basel kann sich darin das Genick brechen. Im Zickzack bewege ich mich auf eine Piazza zu wo ein uralter völlig zerbeulter Autobus steht. Ich radebreche mit dem Fahrer auf spanisch, italienisch und englisch, bis eine Dame die bereits im Bus sitzt, mir zu verstehen gibt, ich solle einsteigen, sie würde mir dann zeigen wo die grosse nationale Busstations-Zentrale steht. Das Ding rumpelt also los und ich bin überzeugt, dass wir nie irgendwelche Buszentralen erreichen werden. Jedoch, der Bus fährt und fährt und es steigen laufend Leute ein und ich sitze bald eingeklemmt unter meinem Rucksack und ich fahre in einem völlig überfüllten Regiobus durch El Paso Mexiko. Ausgerechnet jetzt meldet sich meine Blase. Ich will mit dem Thema nicht viel Zeit verlieren. Nur soviel. Du sitzt bewegungsunfähig mit randvoller Blase, einen Rucksack auf dem Schoss, in einem Bus und dieser rumpelt von einem Schlagloch ins andere. Es gibt nichts schlimmeres. Die Foltermethoden in Quntanamo sind dagegen ein Zuckerschlecken. Endlich, nach etwa vierzig Minuten ruft die Frau „Aqui senior“ und ich hechte aus dem Fahrzeug und pinkle an den nächsten Baum. Die Erleichterung ist Grenzenlos und ich muss in diesem Moment sehr glücklich ausgesehen haben. Ja, und finde auch die Riesengrosse Halle wo etwa 10 nationale Busunternehmen sich gegenseitig die Fahrgäste aufteilen.

Ich wähle eine Gesellschaft mit dem Namen „Chihuahua“ auf ihrem Logo und kaufe mir ein Ticket. Auf der Suche nach dem richtigen „Gate“ begegne ich einer jungen Dame die meine suchenden Blicke scheinbar bemerkte und mich ansprach: Can i help you!!!! Ja, und so lernte ich Edgar, seine Familie und seine Rancho kennen. Dies dann im nächsten Bericht.

2 Antworten zu „Austin, El Paso, Chihuahua“

  1. Lieber Marco, es ist für mich ein absolutes Vergnügen deine Reise zu verfolgen. Einfach herrlich… 🙂

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  2. Avatar von Martin Pletscher
    Martin Pletscher

    Lieber Marco
    Deine Reiseberichte sind spitze. Sie vermitteln sehr interessante, authentische und spannende Eindrücke. Deine Beschreibungen erinnern mich an meine Jugend, als ich auf eine ähnlich spontane Weise durch östliche Welten trampte.
    Du siehst, Amerika ist ein Autoland und das öffentliche Transportsystem ist nur in wirtschaftlich bedeutenden Zentren einigermassen gut ausgebaut. (Umso mehr wirst du unser Schweizer Transportsystem wieder schätzen.)
    Emerita (der ich deine Berichte immer vorlese) und ich wünschen dir noch eine ereignisreiche, befriedigende Weiterreise und dass es auch mit der Gesundheit klappen wird.
    Wir freuen uns noch auf viele, unseren Alltag bereichernde Blogbeiträge.
    Herzliche Grüsse und mach’s gut Marco!
    Emerita und Martin

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